Cicero : Richtungsstreit

Das Magazin "Cicero" wehrt sich gegen "Linksruck"-Vorwurf. Alexander Görlach, Chefredakteur und Herausgeber von TheEuropean.de, darf seine Vorwürfe nicht wiederholen.

Noch immer ist der Artikel „Linksruck bei Cicero“ die Nummer eins in der Favoritenliste der Leser auf der Website des Internetmagazins TheEuropean.de, doch wer am Dienstag auf den Link zum Artikel klickte, bekam den dazugehörigen Text nicht zu lesen. Bereits am Montag hatte Alexander Görlach, Chefredakteur und Herausgeber von TheEuropean.de, unter der Überschrift „In eigener Sache“ mitgeteilt, dass seine Kolumne zu den Entwicklungen beim Magazin „Cicero“ und der entsprechende Videokommentar vorläufig vom Netz genommen worden sei, „da im Moment eine juristische Betrachtung dazu stattfindet“.

Inzwischen ist diese „Betrachtung“ abgeschlossen – zu Ungunsten Görlachs. Er hat eine Unterlassungserklärung unterschrieben, die „Cicero“-Chefredakteur Michael Naumann von ihm gefordert hatte. Damit verbunden ist die Übernahme der Anwaltskosten. Naumann, 68, früher „Zeit“-Herausgeber und Kulturstaatsminister unter Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD), steht seit Februar an der Spitze des Monatsmagazins „Cicero“, nachdem sein Vorgänger Wolfram Weimer zum „Focus“ wechselte.

In seiner Kolumne hatte Görlach, der von November 2007 bis Juli 2009 die „Cicero“-Online-Redaktion leitete und die Website TheEuropean im September 2009 gründete, unter anderem einen „Linksruck“ der Redaktion und des Magazins behauptet. „Cicero“ sei „erledigt“, schrieb Görlach.

„Diese Behauptungen sind alle absolut falsch und zudem geschäftsschädigend“, sagte Naumann dem Tagesspiegel. Görlach habe sich vor der Veröffentlichung des Artikels nicht bei ihm gemeldet und damit seine „journalistische Grundaufgabe der Recherche vernachlässigt“, sagte Naumann. Den Vorwurf des „Linksrucks“ konterte er mit einem Verweis auf Artikel von Autoren wie Werner Weidenfeld und Politikberater Michael Spreng. Auch sei er sich sehr bewusst, dass „Cicero“ von seinen guten Autoren lebe. „Und denen sage ich sicherlich nicht, was sie zu schreiben haben und was nicht“, sagte Naumann. Und statt „erledigt“ zu sein, verzeichne „Cicero“ vielmehr Wachstum, im ersten Quartal sei die verkaufte Auflage im Vergleich zum Vorjahresquartal um knapp über zwei Prozent auf 82 330 Exemplare gesteigert worden.

Diskussionen um Links- und Rechtsausrichtungen von Magazinen findet Naumann überflüssig. „Wir haben wirklich andere politische Probleme, als über ideologische Geografien zu debattieren“, sagte er. Warum Görlach die Debatte angestoßen hat, wisse er selbst nicht. „Vielleicht wollte er durch die Äußerungen seine Website bekannter machen“, sagte Naumann.

Görlach hingegen vertritt weiter die Ansicht, dass die von Naumann beanstandeten Passagen von der Presse- und Meinungsfreiheit gedeckt seien. Doch möchte man „das Prozessrisiko vermeiden und den Rechtsfrieden wieder herstellen. Natürlich hat der Umstand, dass wir ein junges Unternehmen sind eine Rolle bei unserer Entscheidung gespielt. Wir möchten nicht in einen kostspieligen Prozess und langwierigen Rechtsstreit verwickelt werden. Aus all diesen Gründen haben wir uns entschieden, das Geld lieber in unser Magazin zu investieren. Andernfalls wäre dieses Geld an Anwälte und Gerichte zu zahlen.“ Görlach fügte hinzu: „Wir hätten uns gefreut, mit Herrn Naumann sprechen zu können und über die Streitpunkte zu debattieren“. Eine Idee, die zu spät kommt. Sonja Pohlmann

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