Comeback der quietschbunten Kinderserie : Nachwuchs bei den „Teletubbies“

Die berühmte Kleinkinderserie kehrt beim Kinderkanal zurück. Beim Start 1999 war sie hoch umstritten.

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Welches Teletubby hätten’s denn gern? Zur Auswahl stehen (v.l.n.r.): Tinky Winky, Dipsy, Laa-Laa und Po. Sprechen können sie auch: „Ah-oh“.
Welches Teletubby hätten’s denn gern? Zur Auswahl stehen (v.l.n.r.): Tinky Winky, Dipsy, Laa-Laa und Po. Sprechen können sie auch:...Foto: ZDF/DHX Teletubbies Productions

Also schrieb Joachim Huber am 31.März 1999 in dieser Zeitung: „An der Harmlosigkeit gibt es nichts zu deuteln. Zweifel kann es daran geben, daß Kleinkinder frühmorgens ein Medien-Angebot geliefert bekommen, das sie selbst zum Inhalt nimmt. Warum noch selber Erfahrungen machen, wenn das Fernsehen jede Erfahrung Secondhand serviert.“

Harte, aber auch goldene Worte? Zwei Tage zuvor, am 29. März 1999, waren die Teletubbies erstmals auf deutschen Bildschirmen aufgetaucht, bei Kika, dem Kinderkanal von ARD und ZDF. Vier laufende Strampelanzüge – Tinky Winky, Dipsy, Laa-Laa und Po – mit Tellerohren und Antennen auf dem Kopf laufen durch eine idyllische, quietschbunte Fantasywelt. Die britische Produktion im Auftrag der BBC richtete sich an Vorschulkinder.

Das hatte es bis dahin nicht gegeben, Fernsehen für Zwei- bis Dreijährige. Die Aufregung brach sich Bahn. Joachim Huber war mit seiner Kritik nicht allein, der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte warnte, solche Sendungen „unter dem Deckmantel des pädagogisch Wertvollen binden Kinder von früh auf ans Fernsehen und führen oft zu unkontrolliertem TV-Konsum in späteren Jahren“. Schlimmste Nebenwirkung sei möglicherweise eine gestörte Sprachentwicklung. Die Teletubbies selber sprachen nicht, sie brabbelten „Ah-oh“, bei Dipsy hörte es sich wie „Ha-ho“ an.

Der Kinderkanal brachte sogleich eine entlastende Studie in Stellung. Die Figuren seien für Kleinkinder unterhaltsam und förderten deren Entwicklung. Die Sendung vermittele eine ruhige und frohe Stimmung, die den Kindern helfe, sich zu entspannen.

Das strahlende Babygesicht lacht weiter als Sonne vom Himmel

So stand es 1:1. Jeder hatte eine Meinung, die gerne zu Gewissheiten aufgemörtelt wurde. Die Zielgruppe hatte nichts zu melden, wie auch, sie konnte sich in der Mehrheit nicht artikulieren, höchstens wie die TV-Stimme nach den Einspielfilmen „Nomal, nomal“ rufen. Die Zuschauer von damals sind indes 20 Jahre und ein paar Jahre älter. Von nachhaltigen Entwicklungsschäden via „Teletubbies“-Gucken im Kika zwischen 1999 und 2008 ist nichts bekannt geworden; selbst Kinder aus intellektuell geprägten Haushalten, dem Hauptkampfplatz ums Gute und Böse der Vorschulserie, haben sprechen gelernt.

Es wurde recht schnell ruhig um die „Teletubbies“, nicht zuletzt seitdem die Online-Medien ganz andere Gefährdungspotenziale für sehr junge Menschen bereithalten. Smartphone und Internet gelten als Jugendverderber Nummer eins, das Fernsehen ist nach hinten gerutscht. Wahr ist: Das Kinderfernsehen in Deutschland agiert in ganz besonderer Verantwortung, ob Kinderkanal oder die privaten Stationen Super RTL, Disney und Nickelodeon – die vier führenden Kinderprogramme suchen nicht den Streit mit den Erwachsenen, sondern deren Einverständnis übers angebotene Programm.

Wenn die zehnminütigen „Teletubbies“ von Montag an mit 60 neuen Folgen den Kinderkanal bestücken, wird es längst nicht mehr die Aufregung von 1999 geben. Gut möglich, dass sich die Kinder von damals als Erwachsene, als Eltern von heute an das (global und auf dem Spielzeugmarkt) sehr erfolgreiche Quartett gerne erinnern (siehe auch die Kolumne „Zu meinem Ärger“).

Die seit 2015 wieder aufgenommene Produktion folgt dem bewährten Rezept. Das strahlende Babygesicht lacht weiter als Sonne vom Himmel, Noo-Noo ist immer noch der freche Staubsauger, die realen Einspielfilme laufen wie gehabt auf den Bildschirmen, die die Teletubbies auf dem Bauch tragen. Neu sind die acht winzigen Tiddlytubbies im 3-D-Look, die Abenteuer im Miniaturformat erleben.

Also alles gut im „Ah-oh“- und „Ha-ho“-Land? Selbst der nordkoreanische Diktator Kim Jong Un erlaubte 2014 die Ausstrahlung der „Teletubbies“ im Staatsfernsehen, nachdem er sich von der „Unbedenklichkeit“ der Sendung überzeugt hatte. Ein Kim Jong Un irrt nicht, und selbst Joachim Huber zweifelt heute nicht mehr an den „Teletubbies“. Also.

„Teletubbies“, Kika, ab Montag, den 10. April, täglich um 18 Uhr 40

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