Comedy : Der Baller-Mann

Mario Barth ist der Comedian der Stunde. Sein brachialer Witz kommt aus dem Alltag der Geschlechter.

Johannes Gernert
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Mario Barth glaubt: "Männer sind komisch, Frauen aber auch!" -Foto: ddp

Mario Barth hat schon ziemlich lange eine Freundin, von der er sagt, dass sie kaum größer ist als ein Toastbrot, 1,60 Meter. Über die macht er sich manchmal ein bisschen lustig. Er kann beispielsweise nicht verstehen, dass sie sich darüber aufregt, wenn er samstagmorgens im Bett furzt. Und er findet es ganz schön witzig, dass sie im Badezimmerschrank alle acht Schubladen braucht, dass sie immer zusammen mit einer Freundin aufs Klo geht (eine passt wohl auf, vermutet er) und dass sie vorm Fernseher einschläft, wobei sie schnarcht. Davon erzählt Mario Barth, wenn er auf der Bühne steht. Im Juli 2008 wird er auf einer recht großen Bühne stehen und sehr vielen Menschen davon erzählen.

70.000 Karten binnen zwei Tagen verkauft

Der Komiker Barth tritt mit seinem Programm „Männer sind primitiv, aber glücklich“ im Berliner Olympiastadion auf. Der Termin war binnen zwei Tagen ausverkauft, 70 000 Zuschauer werden kommen. In den USA stand ein Comedian einmal vor 45 000 Menschen. Es kann gut sein, dass auf der ganzen Welt noch kein Komiker ein so großes Livepublikum hatte. Die Leute im Olympiastadion werden permanent kichern und alle paar Sekunden kreischen, klatschen und schreien, während Barth diese Kracher über seine Lady abfeuert. So wie sie das jetzt auch schon immer tun, wenn er die größten Hallen füllt. Sein Programm hat sich als Mitschnitt auf DVD 200 000-mal verkauft. Das vorherige hieß „Männer sind Schweine, Frauen aber auch“ und brachte es auf 400 000 Exemplare. Barths Langenscheidt-Lexikon „Frau-Deutsch. Deutsch-Frau“ liegt drei Jahre nach Erscheinen immer noch auf Platz zehn der Spiegel-Taschenbuchbestsellerliste.

Jetzt fragen sich natürlich viele: warum? Und wahrscheinlich hat ein Comedy-Verantwortlicher von RTL einen ganz wesentlichen Teil der Antwort schon formuliert, als er forderte: „Wir müssen noch näher an den Alltag der Zuschauer ran.“ Mario Barth ist nicht nur am Alltag der Zuschauer dran, er ist im Alltag der Zuschauer drin. Seine Gags spielen im Badezimmer, im Bett, im Auto und auf dem Wohnzimmersofa. Dort finden einige Kabarettisten und Comedians ihren Scherzstoff, aber wenige ballern ihn so brachial-banal, so völlig unbehandelt in die Menge. Und noch weniger greifen derart ungeniert in die Kiste der Geschlechterklischees. Es beginnt beim Samstagmorgenfurz und endet damit, dass seine Freundin sich „bettfertig“ macht, was ja bekanntlich immer Stunden dauert. Die Zuschauer halten sich lachend die Bäuche, werfen sich in ihren Sitzen vor und zurück und schauen zur Seite, zur Freundin hinunter, und nicken: „Genau so ist das!“ Und die Freundin, kreischend, nickt zurück.

Männer lachen gern über andere, Frauen am liebsten über sich selbst

Männer lachen eben besonders gern über andere und Frauen am liebsten über sich selbst, würden Psychologen sagen. Und zusammen lachen sie dann darüber, dass Frauen und Männer einfach nicht zusammenpassen, über diese jahrhundertealte Komikkonstante, an der Loriot so herrlich mit dem Seziermesser zugange war. Barth nimmt den Steakklopfer. Klar ist das, was dabei herauskommt, ein bisschen flacher. Es schließt aber nahtlos an an den Erfolg von Bestsellern wie „Warum Männer nicht zuhören und Frauen nicht einparken können“ – die gleichnamige Kinokomödie von Leander Haußmann läuft Ende November an – und von Theaterstücken wie „Caveman – Du sammeln, ich jagen“, ein jahrelanger Broadway-Schlager, der derzeit in diversen deutschen Städten gespielt wird.

Mit der Frau-Mann-Problematik hat der Berliner Barth es auch zu eigenen TV-Sendungen gebracht. Ab Freitag läuft auf RTL „Mario Barth präsentiert …“, eine Comedy-Talkshow. Sechs Folgen erst mal, in denen sich zeigen wird, ob Barths Humor, für den er in diesem Jahr zum dritten Mal hintereinander den Comedy-Preis für die beste Livekomik erhalten hat, auch im Sitzen und im Studio funktioniert. Sonst stakst er eher auf weiten Bühnen hin und her, leicht verschwitzt, in T-Shirt und Jeans, und variiert zu seinen Gags ein paar wenige Gesten. Gefletschte Zähne, erhobener Zeigefinger, schmerzverzerrtes Gesicht. Vor allem aber: vollste Verwunderung. Über dieses Freundinnenwesen, dessen Stimme er gelegentlich imitiert. Das klingt dann sehr nach Teletubbies, ein bisschen grenzdebil.

Ununterbrochen Brüller, selten echte Pointen

Weil die Bühnenfigur „Mario Barth“ nun aber nicht nur im Zuschaueralltag verortet ist, sondern auch sehr nahe dran an Mario Barth, geboren 1972 in Berlin-Mariendorf, Elektriker-Ausbildung bei Siemens, Schauspielschule, Comedy-Kurse in Köln, besteht wohl eine große Ähnlichkeit der Bühnen-„Freundin“ zur wirklichen Freundin. Deswegen fragte Anfang Oktober Johannes B. Kerner, der sich wenige Minuten zuvor wegen anderer delikater Frauenfragen bei den Gästen seiner Talkshow gegen Eva Herman und für Mario Barth hatte entscheiden müssen: „Ich hoffe, das ist zu weiten Teilen erfunden.“ Barth antwortete sinngemäß so etwas wie: Nein. Dann sagte er: „Meine Freundin ist natürlich hochintelligent. Oft kommt der Eindruck auf, dass sie so ein bisschen doof oder so etwas ist.“ Was unter anderem daran liegen könnte, dass er sie wahlweise mit jungen Hunden, Zäpfchen oder Toastbrot vergleicht. „Aber sie ist wirklich ’ne tolle Frau“, stellte er klar. Deshalb fährt Barth sie manchmal auch über 600 Kilometer durch die gesamte Republik, damit sie sich in Nussloch („Klingt wie ein schwedischer Porno, ich bin dabei!“) im Fabrikverkauf Handtaschen kaufen kann.

Der Humor, von dem ein Feuilletonkritiker kürzlich behauptet hat, er richte sich an „besoffene Bundeswehrsoldaten“, wurde nicht am Ballermann auf Mallorca geprägt, aber vielleicht ein bisschen auf Fuerteventura. Da hat Barth vor Jahren als Animateur gearbeitet, bevor er in Comedy-Kursen in Köln erste Bühnenversuche startete – unter anderem zum Thema „Je größer der Wagen, desto größer der Popel, den sich der Fahrer aus der Nase holt“. Seine Grundstrategie stand also schon: ununterbrochen Brüller, selten echte Pointen. Bei Kerner jedenfalls haben alle wieder sehr gelacht.

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