Computer : Surfst du noch, oder spielst du schon?

Desktop-PC, Notebook, Netbook oder Tablet-PC sind beliebte Weihnachtsgeschenke. Eine Checkliste für den Computerkauf.

Stephan Lamprecht

Eine ganze Branche wechselt in diesen Tagen in den Ausnahmezustand über – zu Weihnachten werden wieder unzählige Computer auf den Gabentischen liegen. Laut Branchenverband Bitkom wird geschätzt, dass sich jeder zehnte Bundesbürger über 14 Jahren zu Weihnachten einen Computer anschaffen oder verschenken will. Kaum ein Tag vergeht ohne Elektro-Prospekte in den Zeitungen, vom Discounter oder Händler an der Ecke: überall Schnäppchen und technische Highlights, die verglichen und für den eigenen Gebrauch, das eigene Bedürfnis bewertet werden wollen. Welcher Computer eignet sich für welchen Zweck? Sollte man sich genau so viel Leistung kaufen, wie man im Moment benötigt, oder müsste man in Hinblick auf kommende Jahre besser gleich etwas höher ansetzen? Ein derzeit mit schnellen Prozessoren, großen Arbeitsspeichern und bester Grafikkarte ausgestatteter Computer kann in zwölf Monaten schon fast wieder ein Auslaufmodell sein. Eine Checkliste für den Angebotsdschungel.

ZUM AUSTAUSCH BEREIT

Tablet-PCs, Netbooks, Notebooks und Desktop-PCs stehen in unterschiedlichsten Ausstattungen in den Regalen. Vielschreiber stellen ganz andere Anforderungen als Spielernaturen, die möglichst realistische Simulation und Action auf dem Rechner erleben wollen. Gerade Spieler greifen am besten zu voluminösen Desktopgeräten. Denn sie bieten den Vorteil, dass sich das Innenleben leicht erweitern und austauschen lässt. Erfordert die nächste Spielegeneration noch stärkere Grafikkarten, genügt in diesem Fall der Austausch einer einzelnen Komponente. Der Neukauf eines Rechners entfällt. Der leichte Austausch einer Komponente ist lediglich bei Desktopgeräten möglich. Nachteil: die mangelnde Mobilität. Mit Notebooks im oberklassigen, dem sogenannten High-End-Bereich, bleiben Nutzer mobil und brauchen trotzdem auf aktuelle Spiele nicht zu verzichten. Zum Surfen, Mailen und Ab-und-zu- einen-Brief-schreiben genügt bereits ein Netbook. Beim Bearbeiten von Urlaubsfotos oder beim Videoschnitt sind diese kleinen Geräte allerdings überfordert. In diesem Fall muss es ein Notebook sein. Und wer bequem auf der Couch in Internet surfen oder E-Books lesen möchte, findet in den leichten Tablet-PCs die idealen Geräte.

DAS RICHTIGE NOTEBOOK

Wer aktuelle Spiele am transportablen Rechner spielen will, benötigt eine 3-D-Grafikkarte, etwas eine ATI Mobility Radeon oder eine Nvidia Geforce. Allerdings haben solche Geräte einen höheren Stromverbrauch und sind lauter, denn die Abwärme muss durch Lüftung aus dem Gehäuse. Beim Prozessor empfehlen sich Mehrkernprozessoren, beispielsweise Quad- und Dual-Core wie die i5-Prozessoren-Familie von Intel. Dabei sollten die Preise zwischen einem Gaming-Notebook und einem Desktop-PC verglichen werden. Wenn auf Mobilität verzichtet werden kann, sind im Spielebereich häufig Desktopmodelle die günstigere Alternative. Um die 900 Euro sind für ein spieletaugliches Notebook anzulegen (zum Beispiel: Asus N61JV-JX007V). Wer viel am Notebook spielt oder DVDs ansehen möchte, braucht einen kontrastreichen Bildschirm/Display in 17 Zoll. Fürs Arbeiten und Surfen reichen 15 Zoll aus. Wer mit dem Gerät viel unterwegs ist und auch einmal unter Tageslicht oder im Freien arbeiten möchte, tut sich und seinen Augen einen Gefallen, wenn das Display entspiegelt wurde. Allerdings stellen diese matten Oberflächen eher die Ausnahme als die Regel dar. Beim Arbeitsspeicher reichen drei Gigabyte vollkommen, mehr verwalten die 32-Bit-Versionen von Windows ohnehin nicht. Zu den Tastaturen bei Notebooks: Die Unterschiede in Hinblick auf Druckpunkt und Mechanik sind nicht unerheblich. Wichtig sind auch das Gehäuse und seine Schnittstellen. Je mehr USB-Anschlüsse (nach dem aktuellen 2.0 Standard) vorhanden sind, desto besser. Und wenn der Notebook-Rechner einen stationären PC ersetzen soll, sind HDMI-Anschlüsse oder ein DVI-Ausgang noch eine gute Möglichkeit, einen externen Monitor anzuschließen.

NOTEBOOK LIGHT: DIE NETBOOKS

Kleine Displays und geringe Prozessorleistung: Netbooks kommen für Spieler nicht infrage, auch Videoschnitt ist auf diesen Geräten nur theoretisch möglich. Wurde die erste Gerätegeneration noch mit weniger als zehn Zoll Displaygröße ausgeliefert, befinden sich heute Modelle mit zwölf Zoll im Handel. Der Abstand zwischen Note- und Netbooks wird in dieser Hinsicht immer geringer, was auch für den Preis gilt. Teure Geräte liegen bei rund 350 Euro. Hier sollte überlegt werden, ob die Mehrausgabe von 150 Euro Ausgabe nicht sinnvoll ist, um sich ein Einsteigermodell der nächsten Geräteklasse zulegen, das ein Vielfaches an Rechenleistung bringt. Bei der Ausstattung liegen aktuelle Netbooks eng beieinander. Ein Gigabyte RAM und ein Atom-Prozessor der N450-Familie sollten es schon sein. High-End-Geräte werden bereits mit dem N550 angetrieben, der damit Zweikerntechnologie auf das Netbook bringt. Dies hat aber nur kosmetische Auswirkungen. Derzeit macht kaum eine Software von dieser Technik Gebrauch. Wegen der geringen Baugröße eines Netbooks müssen Abstriche bei der Tastatur gemacht werden. Die drahtlose Internetverbindung, kurz: Wireless Lan (Wlan), ist bei Netbooks immer mit an Board, praktisch ist zusätzliches Bluetooth (Datenaustausch mit anderen Geräten). Ein durchaus überzeugendes Netbook ist das Samsung N220 (380 Euro).

TABLET PCS: DIE SHOOTING STARS

Mit dem iPad hat Apple einen wahren Hype rund um das Thema Tablet PC ausgelöst. Die Idee ist nicht neu, aber glänzend umgesetzt. Die bis dato erhältlichen Geräte wurden meist mit einer Tastatur ausgeliefert, die durch einen Dreh des Displays verschwindet. Bedient wurden diese Geräte mit einem Eingabestift. Anders die Modelle von Apple, die ausschließlich über den Touchscreen und mit Gesten gesteuert werden. Das iPad eignet sich in erster Linie zum Surfen im Internet sowie zum Lesen von E-Books. Was das Gerät interessant macht, sind zahllose Anwendungen, die teilweise kostenlos im Appstore angeboten werden. Damit verwandelt sich das iPad in einen Wecker oder einen Terminplaner. Wer das Gerät in den eigenen vier Wänden betreibt, greift zur preiswerteren Variante, die ausschließlich über Wlan verfügt. Seit einigen Wochen ist ein ähnliches Gerät unter dem Namen WeTab auf dem Markt. Noch kann niemand absehen, ob es sich einen nennenswerten Marktanteil erobern wird. In Sachen Technik und Softwareangebot kann es derzeit nicht mit dem iPad mithalten.

DER ALLROUNDER: EIN DESKTOP-PC

Leider sehen die meisten Desktop-PCs immer noch nach Büro aus und sind damit nur bedingt wohnzimmertauglich. Wer einfach Komponenten austauschen und ergänzen will, findet aber keine bessere Möglichkeit. Anspruchsvolle Prozessoren wie die Core i7 Familie von Intel bieten Leistungsreserven für High-End- Spiele. Allerdings wird hier eine gute Kühlung benötigt. Meist werden viel zu laute, preiswerte Lüfter verbaut. Ein Vierkernprozessor, etwa AMDs Phenom II X4 und eine Grafikkarte mit einem GB Speicher machen Videoschnitt ohne lange Wartezeiten möglich. Wer aufs Budget achten muss, findet in Dual-Core-Rechnern ein gutes Verhältnis aus Preis und Leistung. Im Mittel gibt es bereits zwischen 700 und 1200 Euro anspruchsvolle Desktop-PCs, die bei wirklichen allen Aufgaben punkten, zum Beispiel der Acer Aspire M5811. Es sollte darauf geachtet werden, dass der Rechner an der Vorderseite genügend USB-Anschlüsse besitzt, für den Anschluss von Camcorder oder Digitalkamera. Ein DVI-Ausgang sollte Pflicht, HDMI Kür sein. Und nur die wenigsten Desktops können mit einem integrierten Wlan-Chip dienen. Wer ein solches Netz betreibt, sollte sich eine entsprechende Karte einbauen lassen.

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