''Computerclub'' : Welt am Draht

Im WDR hatte der "Computerclub" keine Zukunft, im Internet halten die Fans der Sendung die Treue.

Kurt Sagatz

Der Laie staunt, und der Experte freut sich, wenn sich zwei Herren plötzlich auf den Boden eines Fernsehstudios setzen, um mehrere Bonsai-Roboter in umgebauten Rauchmeldern auf die Kamera zufahren zu lassen. Für Wolfgang Back und Wolfgang Rudolph, die beiden Moderatoren des „Computerclub“, ist das keineswegs ungewöhnlich. In Deutschlands dienstältester IT-Sendung, die 1983 ihren Betrieb im WDR aufnahm, wurde schon immer gern der Lötkolben geschwungen. Für ein paar Jahre war damit Schluss, als der Kölner Sender den Club 2003 zusperrte. Doch die „schwergewichtigen Urgesteine des deutschen Technikjournalismus“, wie die beiden Wolfgangs schon mal tituliert wurden, gaben nicht auf. Nach einem Neuanfang als Audio-Podcast im Jahr 2006 gibt es die TV-Sendung „Computerclub zwei“ nun seit einem Jahr im regionalen Kabel bei NRW.TV – und als Internet-TV-Programm zum Download.

Lange bevor Margarethe Schreinemakers das Comeback im Netz wagte und Christian Ulmen mit seinen „neuen Freunden“ ein zweites Leben im Internet begann, haben Back und Rudolph ihre treuen Fans per Internet an ihren Basteleien teilhaben lassen. Seither fliegen sie wieder durchs Studio, die digitalen Hubschrauber-Drohnen, es wird mit Kurzwellenfunkern diskutiert, und den Zuschauern werden wieder Workshops für programmierbare Schaltungen angeboten.

Wolfgang Back, 65, seit zwei Jahren „gut situierter WDR-Rentner“, glaubt an das Internetfernsehen. Der neue Verbreitungsweg habe vor allem dann eine glänzende Zukunft, wenn der Zuschauer wie gewohnt das Programm gemütlich vom Sofa aus mit der Fernbedienung wählen kann. „Dass es den Computerclub überhaupt wieder gibt, hat damit zu tun, dass wir mit der Telekom über eine Programmidee für deren IPTV-Angebot reden wollten. Wir dachten an eine Art ,Fraunhofer-TV‘, schließlich behandeln die Wissenschaftler so gut wie jedes Thema.“ Das mit der Telekom hat nicht geklappt, nach dem Gespräch rief Wolfgang Back seinen alten Mitstreiter Wolfgang Rudolph an und erklärte ihm seine Idee für eine Wiedergeburt des Computerclubs. „Das war an einem Donnerstag. Am nächsten Montag hatten wir die erste Sendung aufgenommen.“ Die CC2-Internetsendung war geboren, erhielt im Gründungsjahr den Deutschen Jugend Podcast Award.

Mittlerweile gehört die Rubrik „Back packt aus“ – in der Produkte wie Wlan-Internetradios oder programmierbare Weinkühler vorgestellt werden – zu den beliebtesten Bestandteilen des Clubs. Die TV-Sendung kommt auf 30 000 Abrufe je Sendung, der wöchentliche Audio-Podcast auf 300 000 Downloads. Ihre alten Rollen beherrschen Back und Rudolph nach wie vor, ihre Frotzeleien gehören genauso zum Pflichtprogramm wie die thematischen Vorlieben. Schwerer tun sie sich mit der Vermarktung. „Wir müssen uns nun um Sachen kümmern, die uns im öffentlich-rechtlichen WDR streng verboten waren“, sagt Back. Für das Fernsehprogramm wurde ein Sponsor gefunden. Beim Audio-Programm sah es anfangs gut aus, mittlerweile ist der Werbepartner abgesprungen. Back und Rudolph lassen sich davon nicht beirren. Sie recken zum Schluss jeder Sendung den Daumen nach oben und verabschieden sich mit ihrem Leitspruch: „Immer ein Bit übrig behalten“.

Vielleicht sollte sich die „Schwarzwaldklinik“ daran ein Beispiel nehmen. Im Streit um die Wiederbelebung der Kult-TV-Serie 19 Jahre nach dem Ende der Dreharbeiten suchen Anhänger nach einem anderen Sender und einer Produktionsfirma. Mit dem ZDF und Produzent Rademann werde es keine Fortsetzung der Serie geben, teilte der „Schwarzwaldklinik“-Fanclub jetzt mit. Bleibt auch hier noch das Web-TV. Kurt Sagatz

Der „Computerclub zwei“ im Netz

www.cczwei.de

0 Kommentare

Neuester Kommentar