Computerspielepreis : Die Karawane zieht weiter

Da schlägt sogar der Kulturrat Alarm: Der Deutsche Computerspielepreis wandert ins Verkehrsressort, weil dort ja bereits die Datenautobahnen beheimatet sind.

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Foto: Kai-Uwe Heinrich tsp

Helmut Kohl war 16 Jahre lang Bundeskanzler. Der Mann aus der Pfalz galt als Freund eingängiger Sprachbilder. Er sah „den Mantel der Geschichte wehen“ und prophezeite dem Osten Deutschlands „blühende Landschaften“. Zur Datenautobahn prägte Kohl den Satz: „Für den Bau von Autobahnen sind neben dem Bund hauptsächlich die Länder zuständig!“ Das mit den Ländern hat sich zumindest beim Internet als historisch falsch erwiesen, ansonsten liegt der CDU-Politiker voll im Trend, denn in der GroKo ist der Verkehrsminister für große Teile der Internetpolitik verantwortlich. Und nun sogar für Computerspiele, beziehungsweise für den 2009 von der Politik ins Leben gerufenen Deutschen Computerspielepreis.

Einmal davon abgesehen, dass der Preis nun nicht mehr wie bislang im Wechsel in Berlin und München, sondern nur noch in der bayerischen Landeshauptstadt vergeben wird – Verkehrsminister Alexander Dobrindt gehört der CSU an – versteht kaum jemand in der Politik und schon gar niemand in der Spielebranche diese verquere Entscheidung. Kulturstaatsministerin Monika Grütters, in deren Ressort der Computerspielepreis zuvor angesiedelt war, kassierte vom Deutschen Kulturrat nun sogar einen öffentlichen Rüffel. „Zur zentralen Aufgabe einer Beauftragten für Kultur und Medien gehört es auch, kulturelle Zukunftsprojekte mitzugestalten. Und dazu gehört auch der Computerspiele-Bereich“, belehrte sie Kulturrats-Geschäftsführer Olaf Zimmermann.

Kulturell und pädagogisch wertvoll, aber unbeliebt

Der Preis ist nicht wirklich beliebt. Nicht weil er nur an Spiele vergeben werden kann, die zu mindestens 80 Prozent in Deutschland entwickelt oder produziert werden. Dieser Punkt ist sinnvoll und praktikabel, er dient dazu, den Standort zu fördern. Die Krux liegt in der zweiten Bedingung. Prämiert werden nur Spiele, die kulturell und pädagogisch wertvoll sind, denn die Politik wollte mit dem Preis den sogenannten „Killerspielen“ etwas entgegensetzen. Das ist zwar verständlich, aber nur bedingt praktikabel. Auf die Oscar-Verleihung angewandt, würde dies bedeuten, Filme von Quentin Tarantino – der für das Drehbuch zu „Pulp Fiction“ die begehrte Auszeichnung erhielt – von vornherein auszuschließen. Dass dies bei Computerspielen ebenfalls nicht auf Dauer funktioniert, zeigte sich 2012, als der nicht jugendfreie Ego-Shooter „Crysis 2“ als „Bestes deutsches Spiel“ ausgezeichnet wurde. Zwar stieg damit das Ansehen des Preises unter den Nutzern von Computerspielen, CDU und CSU brachte es auf die Palme.

Computer- und Videospiele gehören genauso zur Populärkultur wie der Film. Gewaltspielen entgegenzutreten ist etwas anderes als Löcher in Autobahnen zu flicken. Der Preis gehört zurück ins Kulturressort und sollte dort ernst genommen werden. Ansonsten zieht die Karawane weiter, wie Helmut Kohl gesagt hätte.

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