Medien : Connecticut-Clan

Arte-Dokumentation über die Bushs, die erfolgreichste Polit-Dynastie der USA

Joachim Huber

„Eine sehr anständige Familie“ und: „Sie zeigen, wie eine amerikanische Familie sein soll.“ Wem so viel Gutes von seinen Bewunderern widerfährt, der hat alles perfekt gemacht, oder perfekt dafür gesorgt, dass alles perfekt aussieht. Für diese Familie gilt wahrscheinlich beides: „Die Bushs“ – Eine amerikanische Dynastie“. Der Film von Thomas Berbner und Christoph Lütgert, heute 90-minütig in Arte und später zweigeteilt in der ARD, präsentiert gleich zu Beginn die notwendigen Belege: Wann immer ein Bush nach politischen Ämtern gestrebt hat, wird die Familie, in kleiner oder in großer Formation, zum Werbeträger. Die „Bushs“ sind, wie ein Freund in die Kamera sagt, eine Marke, die bestens verkauft werden könne.

Der Film setzt dort ein, wo das Fernsehen die erste Chance zum bewegten Bild hat, bei Prescott Bush. Der Sohn eines Stahlbarons heiratet 1921 Dorothy Walker, die Tochter eines reichen New Yorker Bankers. Diese Ehe steht am Anfang des Aufstiegs, die politischen Ambitionen der Bushs verbinden sich mit dem Geld der Walkers. Die Familie lebt in Connecticut. Wahlspots zeigen Prescott Bush, den Kandidaten für den US-Senat, wie er nach harter Arbeit in den Kreis der Familie zurückkehrt. Ein Eindruck wird vermittelt, ein Erfolgsrezept formuliert: Die Bushs, das sind nicht grundsätzliche politische Ideen, das ist Politik nach der Art, wie Familie funktioniert. Mit Härte, im Wettbewerb. Über die Kinder werden Listen geführt, wer sich wie behauptet. Das strenge Elternhaus erzieht Führungspersönlichkeiten.

Das Vorbild schlägt an. Der zweite Sohn, George Herbert Walker Bush, glänzt auf allen Feldern: ein hervorragender Sportler, ein exzellenter Student in Yale, freiwillig, als jüngster Pilot der Navy, geht er in den Zweiten Weltkrieg, hoch dekoriert kommt er zurück. Dann wird im Ölgeschäft in Texas Geld gemacht, zusammen mit seiner Frau Barbara hat er sechs Kinder. Auf der politischen Karriereleiter geht es hinauf, und doch muss dieser Republikaner warten, bis Ronald Reagan acht Jahre Präsident gewesen sein wird. 1988 wird George Herbert Walker Bush 41. Präsident der USA, nach nur einer Amtszeit verliert er 1992 die Wahlen gegen Bill Clinton. Für eine Familie mit dynastischem Anspruch, die sich in einer Liga sieht mit den Roosevelts, Rockefellers und den Kennedys, ist dies ein brutaler Rückschlag.

Aber da sind ja Kinder und Kindeskinder, da ist der Wille zum Sieg, da ist ein Beziehungsgeflecht aus Freunden und Entscheidungsträgern. Die Familienmitglieder unterstützen sich – der Sohn George W. hilft dem Vater George Herbert beim Präsidentenwahlkampf, der Vater hilft den Söhnen George W. und Jeb, die beiden Brüder, George W. als Gouverneur in Texas, Jeb als Gouverneur in Florida, helfen sich bei ihren politischen Kampagnen. Es entsteht die politisch bei weitem erfolgreichste Dynastie in der US-Geschichte: ein Senator, ein Kongressabgeordneter, zwei Gouverneure und zwei Präsidenten.

Jetzt findet der Film, bisher ein mit sauberer Handschrift geführtes Familienstammbuch, zum Standpunkt: Vater George Herbert versus ältester Sohn George W., Licht und Schatten, Erfolg und Misserfolg. George W. ist Cheerleader, der Vater war Spielführer, der Sohn ist ein mittelmäßiger Student. Es sind die Aufnahmen, noch mehr die Einlassungen von Biographen und Weggefährten (an den Clan war nicht heranzukommen), die George W. einkreisen sollen: den Hallodri, der auch als Geschäftsmann erst ein Loser war. Kaum einer hat erfolgloser Löcher in den texanischen Boden gebohrt. Die Autoren Berbner und Lütgert sind nun in ihrem Element. Der Vergleich Vater-Sohn wird strapaziert, hoch gereizt zur Psycho- Schablone. Was der Film in seiner Fixierung verpasst: Warum wurde der skrupulöse, christlich geprägte George Herbert als US-Präsident nicht bestätigt, was seinem offensichtlich durchschnittlichen, von religiösem Eifer getriebenen Sohn dagegen gelingen kann?

Der Beitrag schmiegt sich in dieser Perspektive an die Sichtweise des deutschen Publikums an – Pfui für Bush, Bravo für Herausforderer John Kerry. „Die Bushs“ ist ein Film aus Deutschland, mit kalkulierter Schlagseite zu einem Michael-Moore- Film auf Deutsch, niemals von der entscheidenden Frage geplagt, warum eine Mehrheit der Amerikaner George W. Bush wahrscheinlich erneut zum Präsidenten wählen wird. Wo ist der Resonanzboden für einen wie George W., einen, der außer der Menschenfängerei keine wirkliche Stärke zu haben scheint?

Eshilft nichts, aber es braucht eine Antwort auf die Frage, was George W. Bush zur Führung der Weltmacht USA befähigt. Es hätte den Autoren nicht peinlich sein müssen, wenn sie sich um dieses Rätsels Lösung bemüht hätten.

„Die Bushs“, 20 Uhr 40, Arte (am 18. und 25. Oktober jeweils um 21 Uhr 45 in der ARD)

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