Medien : "Cosmopolitan": Optische Täuschung

Werner Raith

Wie sie es auch machen, es ist immer falsch. Da hatten Italiens Sportler jahrelang der Zeit getrotzt und sich als Hort konservativer, möglichst keuscher Ideologien gesehen, und ernteten dafür Hohn und Spott. Und nun, wo sie sich aufgerafft haben und zum Zeichen ihrer Modernität alle Hüllen fallen ließen, ist es auch wieder nicht recht. Die nächste Nummer von "Cosmopolitan" zeigt ein gutes Dutzend italienischer Athleten nackt. Nun ja, zumindest ohne irgendein Fetzchen Kleidung oder Sportdress, wenn auch durchwegs so, dass der "kleine Unterschied" dann doch wieder gerade mal verdeckt ist. Der Rad-Weltcup-Gewinner Michele Bartoli hält vor die fragliche Stelle die Achse seines Rennrades, beim Wasserball-Bronzeweltmeister Francesco Postiglione schneidet der untere Fotorand das Stückchen ab, und der 400-Meter-Champ Fabrizio Mori stürmt gerade aus seinem Startblock, hat aber dabei das dem Beschauer zugewandte Bein vorne.

Alle wollen gratis posiert haben, wenngleich sie, wie der "Corriere della sera" pikiert entdeckt hat, "von den Journalisten des Magazins regelrecht überrumpelt" wurden: Offiziell ging es um ein Interview, das auch brav abgefeiert wurde, doch danach rückten die Reporter mit der Frage "Würdest du dich für uns mal ausziehen?" heraus. Die meisten drucksten erst etwas herum, ließen sich aber breitschlagen. Bei einem gab die Gemahlin den Ausschlag: "Du machst das jetzt." Der gute Zweck der Aktion sollte, angeblich, Werbung für die Olympischen Sommerspiele von Sydney sein.

Doch nun, kaum sind die Vorabdrucke da, rümpfen gerade die Werbeprofis der Branche die Nase. "Was soll denn das", sagt PR-Spezialist Gavino Sanna, "ein nackter Bizeps oder Hintern beeindruckt doch niemanden mehr." Und dann kam das Verdikt jenes Einen, auf dessen Urteil immer alle warten: Oliviero Toscani, der selbst einst seinen Chef Luciano Benetton nackt auf erbeflächen gehievt hatte: "Wenn die Athleten nackt posieren, dann wohl, weil sie ihren Sportdress häßlich finden." Nachsatz: "Sie waren schon immer angepasst. Jetzt, mit zehn Jahren Verspätung, kommen sie nackt daher. Wenn sie wenigstens ihre Genitalien herzeigen würden! Aber vielleicht verdecken sie die Stelle ja nur, weil sie vormachen wollen, da sei was ..."

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