Medien : Crime and the City

Schlag nach bei Shakespeare: Vox zeigt eine neue Staffel von „Criminal Intent“

Andreas Kötter

Amerikanische Fernsehkrimis haben Hochkonjunktur. Serien wie „CSI“, „CSI Miami“, „Navy CIS“, „Criminal Minds“ oder „Crossing Jordan“ bescheren den TV-Stationen beste Quoten. Kaum ein Tag vergeht, an dem nicht wenigstens ein Sender zur besten Sendezeit seinen „Crime Day“ ausruft und mehrere Formate im Doppelpack zeigt. Das Ermittlerteam von „Criminal Intent“ ist sogar an zwei Tagen und beim selben Sender im Einsatz („Without A Trace“ und „Cold Case“ bringen es auch auf zwei Episoden wöchentlich, bei verschiedenen Sendern), steht aber, was das mediale Echo betrifft, im Schatten der Konkurrenz von „CSI“ und Co. „In New York Citys’ Kampf gegen das Verbrechen werden die schlimmsten Straftäter von den Detectives der Major Case Squad, der Abteilung für Kapitalverbrechen, gejagt. Dies sind ihre Geschichten“, so eine sachlich-nüchterne Stimme aus dem Off zu Beginn jeder Folge von „Criminal Intent“. Das zurzeit wohl beste Krimi-Drama im deutschen Fernsehen, montags mit älteren, ab heute immer mittwochs um 20 Uhr 15 mit neuen Fällen zu sehen, ist nach „Law & Order: New York“ bereits das zweite Spin-Off des vielfach Emmy-gekrönten Krimi-Dauerbrenners „Law & Order“ und stammt ebenfalls aus der Feder des Erfolgsproduzenten Dick Wolf.

Vor allem die Tatsache, dass hier auch die Täter-Perspektive in den Fokus des Zuschauers gerückt wird, ist es, die „Criminal Intent“ zu mehr macht als nur zu einer weiteren „Whodunnit“-Show. So kann der Zuschauer zu Beginn jeder Folge in wenigen Minuten dank exakter Charakter- und Milieuzeichnung und dank hervorragender Besetzung tief eintauchen in einen ganz eigenen Mikrokosmos und Anteil nehmen an Tragödien von geradezu Shakespeare’schem Ausmaß. Die „Criminal Intent“-Ermittler müssen stets aufs Neue durch die Hölle menschlicher Abgründe waten. Eine ganz eigene Farbe bekommt die Serie hier vor allem durch Schauspieler Vincent D’Onofrio. D’Onofrio ist Detective Robert Goren (Kathryn Erbe spielt seine Partnerin Detective Alexandra Eames; Chris Noth und Julianne Nicholson bilden ein zweites Ermittlerteam, das im zweiwöchentlichen Wechsel ermittelt), ein Mann, der immer wieder selbst von Dämonen heimgesucht wird und wohl auch deshalb intuitiv einen Weg findet in die Psyche der Verdächtigen. Faszinierend ist es, diesem großen, schweren Mann, der bisweilen ein wenig linkisch wirkt, dabei zuzuschauen, wie er ganz elegant Katz und Maus spielt mit seinem Gegenüber. Als Mischung aus modernem Sherlock Holmes und Inspector Columbo kommt D’Onofrio daher, als wandelndes Lexikon zudem, in dem fast immer die richtige Antwort zu finden ist.

Gerechtigkeit mag es also geben bei „Criminal Intent“, strahlende Sieger aber sind diese Cops dennoch nicht. Jede Folge hinterlässt am Ende eine tiefe, ganz bewusste Leere, bei den handelnden Personen wie auch beim Zuschauer. Und es ist wohl dieses Gefühl von unersetzbarem Verlust, das „Criminal Intent“ so authentisch und so intensiv macht. Bitterer und besser kann ein Fernsehkrimi kaum sein.Andreas Kötter

„Criminal Intent“, Vox, 20 Uhr 15

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