Medien : Cry, Baby, cry: Film über kleine Schreihälse

Der kleine Lukas schläft nicht. Kann er nicht? Will er nicht? Was er kann, ist: Schreien. Die Eltern probieren alles Mögliche, irgendwann schalten sie sogar den Fön ein. Das monotone Geräusch scheint Lukas zu beruhigen – zehn Minuten lang. Dann schreit er wieder. Manchmal, bis er sich übergibt. So geht das jeden Abend, im Schnitt benötigt Lukas sechs Stunden, bis er Ruhe findet. Von Durchschlafen kann allerdings keine Rede sein. „Es ist nicht immer einfach, dass man seinem Kind ohne Aggressionen begegnet“, sagt Mutter Irmi, und manche junge Eltern werden ihr wohl insgeheim beipflichten. Tanja, deren Tochter Julia ebenfalls ein „Schreibaby“ gewesen ist, hat gedacht, „die lehnt mich ab“. Sie habe sich gefragt: „Was kann ich machen, dass sie mich liebt?“

Beate Greindl hat für ihren 45-minütigen WDR-Film „Schreibabys – Drama im Kinderzimmer“ zwei Familien begleitet. Die Väter sind berufstätig, was sie zum Teil als Erholung von zu Hause empfinden. Die Mütter hoffen nach einem anstrengenden Tag dringend auf Unterstützung. Abends folgt der gemeinsame Kampf mit dem Kind ums Einschlafen. Wenn sich das zuvor ersehnte Elternglück solcherart in nahezu pausenlosen Stress verwandelt, kommen Schuldgefühle auf, wächst auch die Gefahr einer spontanen Verzweiflungstat. Die Eltern sprechen das offen aus: „Man kriegt Angst, dass man dem Kind doch etwas tut“, sagt Tanja.

Laut der Autorin gilt heute jeder fünfte Säugling als ein Schreibaby, das täglich mehr als drei Stunden brüllt. Nicht alle Eltern geben ihre Probleme zu – wer räumt schon gerne ein, dass ausgerechnet sein Kind „schwierig“ ist? Zumal es in der Familie, bei Freunden oder auch beim Einkaufen an guten Ratschlägen und bisweilen Vorwürfen nicht mangelt. Erforscht seien die Ursachen für die ausdauernden Schreiattacken bei manchen Babys noch nicht, erklärt Beate Greindl.

Kinder und Eltern benötigen im Zweifel professionelle Hilfe, das macht dieser Film deutlich. Julias Vater Matthias fasst seine Erfahrungen zusammen: „Alleine schafft man’s nicht.“ Der Kölner Familie wurde in einer „Schreiambulanz“ geholfen, die mittlerweile in manchen Kinderkliniken eingerichtet werden. tgr

„Schreibabys“, 22 Uhr 30, WDR

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