Cyberkriminalität : Attacke auf Facebook

Nach dem Ärger um die kurz vor Weihnachten eingesetzte Werbesoftware stehen dem Sozialnetzwerk Facebook weitere Probleme ins Haus. Mit dem Programm "Secret Crush" schleusen sich Kriminelle in Benutzerprofile ein.

Johannes Gernert

Mark Zuckerberg hat es in diesen Tagen wirklich nicht leicht. Im Herbst sah für den Gründer des Sozialnetzwerks Facebook noch alles prächtig aus. Als Microsoft sich bei dem Unternehmen des 23 Jahre alten Amerikaners einkaufte, wurde der Wert der Seite auf 15 Milliarden Dollar geschätzt. Ersten Ärger gab es dann kurz vor Weihnachten. Mit der neu eingesetzten Werbesoftware „Beacon“ wurden Facebook-Mitglieder darüber informiert, was ihre Freunde auf anderen Webseiten gekauft hatten. Ein Zugeständnis von Facebook an die Werbetreibenden. Viele Nutzer waren außer sich: Nicht nur, weil manche jetzt die Geschenke kannten, die Freunde ihnen zum Weihnachtsfest besorgen wollten. Sie sahen vor allem ihre Daten nicht ausreichend geschützt.

Jetzt erschüttert ein Angriff von außen die Community, Facebook wird zum Ziel von Cyberkriminellen. Mit dem Programm „Secret Crush“ schleusen sie sich in die Benutzerprofile ein. Angeblich soll die Software den Mitgliedern zeigen, wer von den anderen Nutzern sie attraktiv findet. Wenn sie das Programm gutgläubig auf ihren Profilen installieren, erhalten sie allerdings keine Infos über ihre heimlichen Verehrer, sondern sie werden mit Werbung zugemüllt. „Secret Crush“ fordert die Nutzer vor der Installation außerdem auf, das Programm noch an fünf Freunde zu schicken. So breitet sich die üble Werbesoftware zügig zwischen den eng vernetzten Mitgliedern aus. Schon 1,8 von insgesamt über 50 Millionen Profilen sollen infiziert sein. Damit nicht genug. Andere Internet-Kriminelle greifen Facebook mit einem sogenannten „Phishing-Trick“ an. Die Nutzer werden auf eine Seite hingewiesen, wo sie angeblich aufregende Bilder finden. Dort angelangt, sollen sie dann kurz ihr Facebook-Passwort eingeben – ab diesem Zeitpunkt können die Datendiebe mit dem Profil anstellen, was sie möchten. Sie besitzen schließlich die Zugangscodes.

Seiten wie Facebook oder Myspace, warnen Sicherheitsexperten, sind ein ideales Ziel für Netz-Verbrecher. Denn während gewöhnlicher E-Mail-Spam immer seltener funktioniert, verhalten sich die Nutzer von Sozialnetzwerken oft naiv, geben schon ungefragt gerne Daten preis und klicken vieles einfach an, was ihnen geschickt wird. Mark Zuckerberg hat deshalb ernsthaft Grund, sich Sorgen zu machen. Wenn die Attacken weiter zunehmen, dürfte der Wert von Facebook sinken.

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