Medien : "Da geht mein Sohn freiwillig zu Bett"

Alva Gehrmann.<br><br>John Semm

Es passt nicht zusammen: Die Serie ist überintrigiert und überbesetzt. Vor allem verstehe ich nicht, warum "Die Affäre Semmeling" eine Fortsetzung der alten Geschichte sein soll. Wer, wie ich, 1972 die ersten Filme gesehen hat, muss sich veräppelt vorkommen, weil die heutige Story nichts mehr mit den ursprünglichen Filmen zu tun hat. Wenn der Regisseur Dieter Wedel die Serie anders genannt hätte - okay; aber man kann nicht die alten Filme hernehmen und andere Geschichten drumherum bauen.

Ich mag den Regisseur ja eigentlich ganz gerne und habe mir auch "Der große Bellheim" und "Der Schattenmann" angesehen, aber ich finde es nicht toll, dass er die Besetzung der anderen Filme übernommen hat. Mario Adorf und Heinz Hoenig sind schon gut, doch sehe ich dann auch immer den "Schattenmann" oder "Bellheim" vor mir - das verwirrt. Richtig super finde ich hingegen Heike Makatsch (Silke Semmeling), sie ist zumindest ein neues Gesicht bei Wedel. Vielleicht gefällt sie mir gerade deshalb. Der Schauspieler Fritz Lichtenhahn ist auch noch überzeugend, er hat sich von der Art her kaum verändert. Schon vor dreißig Jahren spielte er einen Bruno Semmeling, der viele Pleiten und Pannen erlebt hat.

Die Themen von Dieter Wedel sind schon realistisch: Wie viele schlittern aus lauter Unwissenheit in die Schuldenfalle hinein. Das, was die Familie Semmeling erlebt, kann jedem passieren. Genauso mit den Steuerschulden: Kein normaler Mensch kennt sich doch mit den komplizierten Gesetzen aus. Mir gefallen vor allem die Szenen, in die rührende Gags eingebaut sind. So zum Beispiel im zweiten Teil, wenn Trude und Bruno Semmeling die giftigen Holzbalken aus ihrem Haus in einer Grube der Nachbarn entsorgen. Ein Tag später kommt der Mann vom Umweltamt vorbei und wundert sich, wo die Balken geblieben sind.

Ich werde mir - aus lauter Neugier - die nächsten Folgen ansehen. Einen Vorteil hat die Serie auf jeden Fall: Mein elfjähriger Sohn findet den Film zu kompliziert, so dass er freiwillig früher ins Bett geht - das ist sonst nicht so einfach. Als die ersten Werbespots liefen, habe ich mal geguckt, wie viele Semmelings es in Deutschland gibt. Und war ganz erstaunt, dass ich der Einzige sein soll - zumindest der Einzige, der im Telefonbuch eingetragen ist. Vielleicht sollte ich meinen Namen doch patentieren lassen. Eigentlich komme ich aus den Niederlanden, dort ist der Familienname häufiger. In meiner Geburtsstadt Maastricht zum Beispiel gibt es noch mehrere Semmelings.

Meine Nachbarn und Arbeitskollegen ziehen mich mit dem Namen nicht auf. Vor ein paar Tagen aber, als ich in der Bank war, sagte eine Angestellte zu mir: "Ach, hallo Herr Semmeling, ich habe Sie gestern im Fernsehen gesehen."

Als meine Frau und ich am Montag mit den Kindern vor dem Fernseher saßen und uns die dritte Folge der "Affäre Semmeling" ansahen, sagte meine 15-jährige Tochter zu mir: "Papa, dich kann ich mir auch mal so vorstellen", und meinte damit den alten Semmeling. Ich hoffe doch, dass sie nur einen Scherz gemacht hat ...

Nächste Woche ist es erst mal wieder vorbei mit Dieter Wedel. In vier Jahren wird sicher mit großer Aufmerksamkeit das nächste Werk von ihm kommen: Schau mer mal, was er dann macht.

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