Medien : Da gibt´ s was auf die Ohren

Deutschlands erstes Kinderradio geht Ende August auf Sendung

Antonia Kränzlin

Einen Radiosender nur für Kinder gab es in Deutschland bislang noch nicht. Obwohl rund achteinhalb Millionen Kinder im Alter zwischen drei und 13 Jahren gerne Radio hören, existierten für sie bislang Programmfenster vor allem in den öffentlich-rechtlichen Kanälen. Erstaunlich ist das schon, immerhin feiert Kika, der Kinderkanal, seit Jahren große Erfolge im Fernsehen. Jetzt, am 25. August, wird im Hörfunk nachgezogen. Dann geht Deutschlands erstes ganztägiges Kinderradio, „Radijojo!“, auf Sendung.

Der Journalist und Soziologe Thomas Röhlinger plant dieses Projekt seit gut zwei Jahren, anfänglich noch unter dem Namen „Kira-Radio“ als Projekt an der Steinbeis-Hochschule Berlin. „Das klang aber zu ähnlich wie ,Kika’, da hätte es rechtliche Probleme geben können.“ Der Name wurde also geändert, nicht aber das Konzept. „Seit bestimmt zehn Jahren diskutieren die öffentlich-rechtlichen Sender ein Kinderradio – ohne Ergebnis“, fasst Röhlinger zusammen.

Was fehlt, sei ein Kanal, der den Kindern Musik, Unterhaltung und Bildung biete, „Kinderwohl“, wie Röhlinger es nennt. „Radijojo!“ will seinen kleinen Zuhörern von 6 bis 21 Uhr ein bunt-gemischtes Programm anbieten: Vormittags eher für die ganz Kleinen, nachmittags bis abends dann für alle bis 13 Jahre. Eine Viertelstunde Morgengymnastik mit Musik, vertonte Kinderbücher, „Kochen für Kids“, Kindermusik, aber auch Lehrreiches wie zum Beispiel die Proben eines Sinfonieorchesters.

„Wir wollen in unserem Programm alles bündeln, was derzeit über die unterschiedlichsten Kanäle verstreut im Radio für Kinder läuft.“ Hörspiele, Magazine, Talkshows, speziell für Kinder gemacht, also ganz ähnlich wie der Kinderkanal im Fernsehen.

In Amerika, Frankreich und Großbritannien gibt es diese Art von Kinderradio schon seit langem, allerdings zumeist auf kommerzieller Basis. „Radijojo!“ wird durch Spenden und Subventionen von Privatunternehmen und Geldern aus Stiftungen und öffentlichen Quellen finanziert, und kann dadurch werbefrei senden. Das Team von Thomas Röhlinger, bestehend aus gut 70 erfahrenen Journalisten, arbeitet bislang ehrenamtlich. Somit sei die Finanzierung auf jeden Fall bis 2004 gesichert. Für die einzelnen Sendungen darf das Team auf Inhalte von Verlagen, anderen Sendern und Musikfirmen zurückgreifen. Auch die Liste der prominenten Unterstützer von „Radijojo!“ ist lang: Von der Kultusministerin Christina Weiss über die Bestsellerautorin Judith Hermann bis zum Kindermusiker Rolf Zuckowski reicht sie. Dirigent Daniel Barenboim hat die Schirmherrschaft übernommen.

Und auch Bundespräsident Johannes Rau will den neuen Sender unterstützen, er will sich zu einem Interview „Kinder fragen den Präsidenten“ zur Verfügung stellen. Nur die öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten haben noch keine finanzielle Unterstützung zugesagt, Röhlinger ist aber dennoch zuversichtlich: „Unser Radio ist charmant billig, und wir haben gute Chancen, mit den gegebenen Mitteln und der Unterstützung zahlreicher Leute ein prima Programm aufzustellen“.

Wäre da nicht ein Haken: Vorerst wird das neue Angebot nur per Digitalradio (DAB) und im Internet zu hören sein, und es ist noch ungewiss, ob und wann „Radijojo!“ im ganz normalen Radio zu hören sein wird. Das wird sich zeigen, wenn das Programm erst einmal angelaufen ist und feststeht, ob es erfolgreich ist. Genau diese Frage nach dem Erfolg eines solchen Kinderradios ist wohl auch ein Grund, warum es dieses Angebot in Deutschland noch nicht gab. Die Konkurrenz des Fernsehens wie des Musikradios ist groß, es wird nicht leicht sein, die Kinder wieder vor ein Radioprogramm, das bewusst aufs Zuhören setzt, zu locken.

Die Internetseite für „Radijojo!“ soll zum Sendestart am 25. August freigeschaltet werden – unter der Adresse www.radijojo.de .

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