Medien : Da kommt Freude auf

Die US-Serie „Six Feet Under“ zeigt den skurrilen Alltag einer Familie von Bestattern

Thomas Gehringer

Nathaniel Fisher (Richard Jenkins) erwischt es im Leichenwagen. Man könnte meinen, der Gevatter Tod habe sich einen schlechten Scherz erlaubt. Aber Fisher ist Leichenbestatter von Beruf, außerdem ist Rauchen ungesund, auch in einem Leichenwagen und besonders dann, wenn man beim Zigarettenanzünden nicht auf den heranrauschenden Bus achtet. Die Fernsehserie „Six Feet Under“ um das Bestattungsunternehmen Fisher beginnt würdig und angemessen: mit dem Tod des Firmenchefs.

Mit dem Tod ist nicht zu spaßen? Das sieht Alan Ball anders: Wie schon bei seinem Kino-Erfolg mit „American Beauty“ hat sich der Autor und Produzent hier auf sehr eigenwillige Weise den Abgründen im nur scheinbar heilen Familienleben zugewandt. „Six Feet Under“, in den USA vom Bezahlsender HBO ausgestrahlt und mit Preisen überhäuft, ist ein Feuerwerk an schwarzem Humor und skurrilen Einfällen, zudem großartig inszeniert und mit einem hörenswerten Soundtrack versehen. Das gilt jedenfalls für den heutigen Pilotfilm, in dem sich die Hinterbliebenen des toten, aber keineswegs von der Bildfläche verschwundenen Fisher dem Publikum vorstellen. Solch eine Einführung ist oft eine zähe Angelegenheit, doch hier fragt man sich: Was kann nach diesem furiosen Piloten noch kommen? Leider keine fiktiven Werbespots mehr, die Ball nur als Auftaktvergnügen eingestreut hat. In der Zuschauerredaktion von Vox wartet man gespannt darauf, ob es Anfragen nach Luxus-Leichen-Limousinen, Einbalsamierungsflüssigkeit und kosmetischem Wundenkitt geben wird.

„Mit uns kommt bei Beerdigungen wieder Freude auf“, heißt es in einem der vier Spots. Doch auch bei den Fishers ist der Tod eine ernste Angelegenheit, werden Bestattungen seriös und pietätvoll vorbereitet. Aber Alan Ball kostet konsequent das komische Potenzial der Geschichte aus: auf der einen Seite das sterile Bestattungs-Ritual, auf der anderen Seite der chaotische Alltag der Serienhelden. Die Nachricht vom Tod des Vaters ereilt seine Familie kurz vor dem alljährlichen Weihnachtstreffen. Der älteste, vor Jahren aus dem Haus geflüchtete Sohn Nate (Peter Krause) hat am Flughafen gerade Sex mit einer namenlosen Zufallsbekanntschaft (Rachel Griffiths). Tochter Claire (Lauren Ambrose) zieht sich zur selben Zeit im Kreise ihrer Freunde eine Ladung Designerdrogen rein. Und auch der brave David sowie Ehefrau Ruth (Frances Conroy) haben ihre Geheimnisse.

Ohne Scheu steigt Alan Ball zudem in den Keller hinab, wo auch die Fishers ihre Leichen haben. Der Anblick der Toten, die dort von David und dem fingerfertigen Federico (Freddy Rodriguez) vor der Beerdigung zurechtgemacht werden, hat Vox dazu veranlasst, die Serie erst nach 22 Uhr auszustrahlen. Sonst wären Schnitte fällig gewesen. Aber große Lust, „Six Feet Under“ zur Prime Time auszustrahlen, bestand sowieso nicht: „Die Mischung aus Humor und dem Thema Tod spricht nicht die Masse an“, erklärt eine Sprecherin. Die gute Nachricht: Vox hat die Rechte an allen vier Staffeln mit jeweils 13 Folgen erworben.

„Six Feet Under“: Vox, 22 Uhr 15

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