Medien : „Da musste ich halt wieder in die Strapse“

Die Comedy „Klimbim“ erlebt im Theater ihr Comeback. Die alten Stars jedenfalls haben ihren Spaß dabei

Michalis Pantelouris

Und, Action: Schon das Plakat verkündet eine Sensation, mehr eine Nachricht als den Titel eines Theaterstückes: „Die Klimbim-Familie lebt!“, mit Ausrufezeichen, denn selbstverständlich ist das nicht. „Klimbim“, das war doch … damals, mein Gott … wie lange ist das jetzt … ? Die Tatsachen: „Klimbim“ war eine Fernsehshow, eine lustige. Die „Klimbim“-Familie war in einer Sammlung von Sketchen in der Sendung regelmäßig der Beliebteste.

Das ist inzwischen mehr als 30 Jahre her. „Klimbim“ war eines der erfolgreichsten Fernsehformate, das die Republik je gesehen hat, mit bis zu 17 Millionen Zuschauern pro Folge. Heute wissen wir außerdem, dass „Klimbim“ die Erfindung der deutschen TV-Comedy war, obwohl es das Wort noch nicht gab. Ein anderes Wort gab es allerdings, obwohl es heute so scheint, als wäre es erst für die Show erfunden worden: „Klimbim“ war im Jahre 1973 „frivol“ – was 1983 dann erotisch geheißen hätte und 2004 schlicht sexy, aber damals wie heute meinte, es waren hin und wieder nackte weibliche Brüste zu sehen. Eine Sensation, an der Grenze des Verbotenen.„Klimbim“ hat das Fernsehen zu einem anarchischen Ort gemacht.

Aber nun, 31 Jahre nach der ersten Folge, soll die „Klimbim“-Familie immer noch leben und zwar, so verspricht es das Plakat, auf einer Theaterbühne? Mit den Schauspielern von damals? Leben die tatsächlich noch? Im Scheinwerferlicht in der Kleinen Komödie in München stehen Särge. Die Familie lebt ja nicht einfach immer noch, sie aufersteht von den Toten. Das ist ein bekannter Gag, denn schon in den Originalfolgen in den Siebzigern ist das Ensemble in diesen Rollen am Ende jeder der 36 Episoden gestorben und in der nächsten Woche neu erwacht.

Die Untoten sind dieselben wie immer: Ingrid Steeger als Horror-Tochter Gaby, Elisabeth Volkmann als latent geile Mutter Jolanthe, Horst Jüssen als bratziger Stiefvater Adolar, Wichart von Roëll als kriegslüsterner Opa und Peer Augustinski als alles mögliche Andere. Allesamt zauberhafte Schauspieler, Profis durch und durch – und alles solche, die im jugendwahnsinnigen Ulk- und Blödel-TV der Gegenwart nur als Gespenster gecastet würden. Denn schon das Wort „Casting“ ist wieder aus einer anderen Zeit.

„Ich habe es zuerst gar nicht so ganz ernst genommen“, sagt Elisabeth Volkmann, und meint damit die Idee einer Theaterversion von „Klimbim“, die Idee von der Neuauflage. Wie auch: Sie sitzt da in Mieder und Strapsen, mit einer Fuchsstola über ihrer Schulter. Das Tier ist noch Originalrequisite von damals. Ihm fehlt ein Auge, die Zeit heilt nicht nur Wunden. Sie verschleißt auch. Wenn etwas wirklich schief gehen kann, dann sind es oft genug die Träume von Menschen, die älter werden und dabei nicht bemerken, wann der Moment kommt, in dem man besser gesagt hätte: Nein, dafür bin ich dann doch zu alt. Elisabeth Volkmann jedenfalls schaut sich um, sieht die Kulissen, die Särge, die Kollegen und sagt: „Ich kann mich nur wundern.“ Ingrid Steeger, ein paar Meter weiter, trägt einen Strampelanzug, Pippi- Langstrumpf-Zöpfe und die Schneidezähne zur Lücke geschwärzt. Peer Augustinskis wirre Perücke deutet auf Tod durch Stromschlag, Horst Jüssen sieht aus wie Helmut Schmidt auf Partydrogen und Opa Wichart von Roëll mit den Orden am Morgenrock würde an jedem anderen Ort sofort abgeführt und unbefristet eingewiesen. Es ist albern, so viel steht fest.

Aber dies ist Theater. Und dies ist „Klimbim“. Das alles soll ja albern sein. „Nee“, hat Ingrid Steeger gedacht, als sie zum ersten Mal von Horst Jüssen hörte, dass er das Stück geschrieben hat, mit den alten Rollen, wenn auch angepasst an die neue Zeit. „Vergangenes soll man ruhen lassen.“ Dann hat sie es gelesen. Und plötzlich änderte sich das „Nee“ in „Das könnte vielleicht funktionieren“. Warum denn nicht? Wegen der 31 Jahre? Immerhin robbt sie die meiste Zeit auf den Knien und spricht mit Babystimme, „dafür musste ich einige Hemmungen überwinden“. Aber es geht. Sie ist jetzt 57 Jahre alt, aber „diese Rolle kann ich auch mit 80 noch spielen. Wenn man es draufhat, hat man es drauf.“ Für die Männer war es sowieso leichter, von Roëll nähert sich dem Alter seiner Rolle, des Opas, ja sogar erst noch an.

Natürlich ist es ein Glücksfall, dass Elisabeth Volkmann mit 62 Jahren Beine hat, auf die 30-Jährige neidisch sind, und ein Dekolletee, für das sich andere auf den Operationstisch legen. Aber dazu hat sie eben vor allem ein Schauspielerleben Erfahrung, wie jeder hier, und wie in jedem anderen Beruf macht das die, die ihn ausüben, im Regelfall besser, auch wenn Volkmann kokettiert: „Immer, wenn ich in einem Stück richtig gut war, ist die Produktion pleite gegangen. Da musste ich halt wieder in die Strapse.“

Im Fernseh-„Klimbim“ waren sie fürs Schnellsprechen berühmt und berüchtigt, immer angetrieben vom Schöpfer und Regisseur der Sendung, dem verstorbenen Michael Pfleghar. Heute werden sie von seinem ehemaligen Assistenten Thomas Pröve gebremst, weil sie sich die Zeilen so um die Ohren hauen. Alle gemeinsam auf der Probebühne, da ist der Spieltrieb unübersehbar. „Spielt mal die harten Eier an!“, kommt aus dem dunklen Zuschauerraum, und dann, zack, wird mit den harten Worten nur so geworfen: Rede, Widerrede, Pointe, alles in drei Sekunden. Es macht ihnen Spaß.

Ob das Stück ankommt? Wer soll das wissen. Vor der großen Premiere am heutigen Freitag wird es niemand sehen. Der Vorverkauf jedenfalls läuft riesig, und es heißt, selbst Edmund Stoiber wird da sein. Und dann, wenn es gut wird, sind sie zweieinhalb Jahre mit Klimbim unterwegs. Alles wie früher, nur eben, nun, ganz anders. „Wir sind ja alle nicht einfacher geworden“, sagt Ingrid Steeger. „Wir haben ja alle auch harte Zeiten durchgemacht in der Zwischenzeit.“ Zusammengerechnet haben sie einen ganzen Haufen Träume, Beziehungen und alte Freunde begraben. Aber sie sind Komiker, und da zählt das nicht. Was zählt, ist Freitag. Wenn der Vorhang aufgeht und sie aus den Särgen steigen, dann stimmt es: Sie leben.

Das Stück läuft vom 25. Juni bis zum 5. September 2004 in der Komödie am Max- II-Denkmal in München und vom 14. Juli bis zum 5. August 2005 im Renaissance Theater Berlin.

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