Medien : „Da rappelt’s in der Kirmes-Bude“

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Herr Schrotthofer, worüber haben Sie sich in dieser Woche in den Medien am meisten geärgert?

Über die Heuchelei in der Rums!Demokratie. „Bild“ ruft zum Scheibenschießen auf Minister, 12 Cent je Anruf, 70 000 spielen mit. Überraschendes Ergebnis: „Rums! ,Bild’-Leser haben entschieden. Vier Minister müssen raus.“ Da rappelt’s in der Kirmes-Bude. Und ein Politikwissenschaftler lobt den Schwachsinn anderntags an gleicher Stelle als „Beteiligung im politischen Prozess“. Wahrscheinlich waren alle Talk-Shows schon ausgebucht. Dazu passt gut eine n-tv-Telefonumfrage aus dieser Woche: „Halten Sie Folter für ein legitimes Mittel im Kampf gegen den Terror?“ Da beteiligt sich der Demokrat doch gerne am politischen Prozess. Rufen Sie an!

Gibt es auch etwas, worüber Sie sich freuen konnten?

Auch wenn’s bestellt klingt – über den neuen Tagesspiegel. Elegantes Layout, klare Schwerpunkte, viele originelle Ideen im Detail: die Zeitung ist hochwertiger geworden. Eine Investition in Qualität in Zeiten der Medienkrise tut der ganzen Branche gut. Kreativität ist immer noch überzeugender als Zitate-Rankings und großmäuliger Marketing-Klamauk.

Klaus Schrotthofer

ist seit 2002

Sprecher von

Bundespräsident

Johannes Rau, war vorher stellvertretender Chefredakteur bei der „Berliner Zeitung“

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