Medien : „Da war nicht alles schlecht. Im Gegenteil!“

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HANSHERMANN

TIEDJE, 54,

war Chefredakteur von „Bunte“ und „Bild“-Zeitung und führte die RTL-„Late Night Show“ mit Thomas Gottschalk zum Quotenerfolg. Seine TV Media GmbH produziert die Show „Ein Kessel DDR“. Foto: dpa

Herr Tiedje, die DDR-Welle rollt, und Sie rollen mit. Ihre Produktionsfirma TV Media stellt für das MDR-Fernsehen die Show „Ein Kessel DDR“ her. Welche Sendung versteckt sich hinter diesem Titel?

Bestimmt kein hektischer DDR-Potpourri. Wir bringen eine klare Struktur, Themen aus Alltag, Politik, Sport und natürlich Amüsement mit einem Schuss Ironie. Und ein paar Überraschungen. Der Titel erklärt sich somit von selbst.

Alle Sender produzieren Ostalgie-Shows. Was machen Sie anders?

Wir machen keine Jubelveranstaltung voller Peinlichkeiten. Bei uns haben die journalistischen Macher das letzte Wort.

Ostalgie, Nostalgie Ost, unsere kleine DDR: Was in aller Welt passiert da gerade?

Hier ist schlicht ein Thema in Mode gekommen, das jahrelang in den nationalen Sendern brachgelegen hat, fast ein wenig tabuisiert war. Der Alltag in der DDR wurde eigentlich nur beim MDR und höchstens noch im ORB beleuchtet.

Sie sind ein hartgesottener Schleswig-Holsteiner, der Hamburg liebt und Berlin als Stadt des Ostens bereits hasst. Was haben Sie als bekennender Wessi mit der ehemaligen DDR zu schaffen?

Ich habe die DDR als Chef von „Bild“ kräftig mitbeerdigt, aber sofort danach auch die Ost-Ausgaben in den neuen Bundesländern begründet und aufgebaut. Für mich sind die so genannten Ossis keine Exoten, sondern deutsche Bürger mit vielen Problemen, die meine Sympathien haben. Die PDS-Wähler natürlich weniger.

Wie lange wird der DDR-Show-Boom halten?

Der Boom ist schnell vorbei, obwohl es Themen in Hülle und Fülle gibt. Wer überlebt? Das werden wir sehen.

Wenn die letzte DDR-Show gelaufen ist – welches DDR-Bild haben wir dann?

Über die DDR, diesen totalitären Unrechtsstaat, über die unsägliche SED und das irrsinnige Stasi-System ist fast alles gesagt. Viele im Westen werden aber dazulernen, wie die Deutschen im Osten sich im Alltag einzurichten versucht haben. Und da war nicht alles schlecht, im Gegenteil!

Wo, bitte, bleibt die Westalgie?

Eine gute Idee. Die alte Bundesrepublik hatte unbestritten ihren Charme. Daran könnte man durchaus witzig ein Sendeformat entlang entwickeln. Aber bitte keine sentimentalen Rückblicke auf RAF-Terroristen, wie das derzeit verschiedentlich versucht wird.

Das Interview führte Joachim Huber.

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