Da war #rp15 : Unsere Highlights der re:publica

Die schrägsten Vortragstitel, die amüsantesten Sessions und Gänsehautmomente: Was bleibt von drei Tagen re:publica-Gewusel? Eine kleine Preisverleihung für die Netzkonferenz.

Tatjana Kerschbaumer, Sebastian Leber
Umwerfend. Der Astronaut Alexander Gerst sprach bei der re:publica.
Umwerfend. Der Astronaut Alexander Gerst sprach bei der re:publica.Foto: dpa

Abräumer: Astronaut Alexander Gerst wurde auf der Hauptbühne für seinen detailreichen Vortrag über das Leben auf der Raumstation ISS gefeiert. Er erklärte, dass er Google Earth brauchte, um vom All aus seine Heimat Köln zu sehen. Und dass er eineinhalb Jahre vor dem Start angeben musste, welche Unterwäsche er zu tragen gedenke.

Dickste Enttäuschung. Der Auftritt von Pussy Riot. Die Punk-Aktivistinnen hatten entweder nichts zu sagen – oder wollten nicht. Eine Stunde voller Banalitäten und Nonsens. Mit viel Wohlwollen könnte man es als Performance verklären.

Größtes Rätsel. Wie sich der erneute Anlauf der Bundesregierung, die Vorratsdatenspeicherung wieder einzuführen, doch noch stoppen lässt.

Dringlichster Appell. Die Bitte der Feministin Anne Wizorek, Mobbing im Internet nicht als Meinungsfreiheit zu begreifen.

Größte Innovationsverweigerung. Auf der re:publica 2015 als Vortragender noch mit stinknormalen Standard-Powerpoint-Folien zu arbeiten. So gesehen etwa in der Session „Der Historiker und der digitale Raum“. In Zeiten von Prezi, Swoosh und Co. seltsam altmodisch.

Beste Didaktik. Um zu verdeutlichen, wie Trolle anderen Internetnutzern auf die Nerven gehen, redeten die Speaker beim Vortrag „Die Kunst des Trollens“ nicht über das Thema, sondern ausschließlich übers Angeln.

Schrägster Vortragstitel. Platz eins: „Brustvergrößerung via Twitter“. Platz zwei: „Nutella, Kätzchen und eine Freundschaftsanfrage von Isis“. Etwas unheimlich dagegen, da einem populären Horrorfilm entlehnt: „Wir wissen, was du nächsten Sommer hören wirst“.

Amüsanteste Session. „7 von 83 KundInnen fanden die folgende Rezension hilfreich“. Carolin Meyer und Josefine Matthey zerlegten die skurrilsten Bewertungen von Onlineshoppern. „Die Cremedusche war ... cremig, also okay. Der Duft hat mich nicht gestört.“ Na dann!

Moment zum Staunen. Die CIA arbeitete in den 1960er Jahren tatsächlich an einem Spähprogramm namens „acoustic kitty“, bei dem Katzen mit Mikrofonen ausgestattet werden sollten. Das erste Tier wurde dann auch prompt vom Taxi überfahren.

Populärstes Stilmittel. Mitten im Vortrag einen Seitenhieb auf Christopher Lauer einzubauen, egal ob es zum Thema passte oder nicht. Der Ex-Pirat, der inzwischen als Springer-Berater für das Leistungsschutzrecht kämpft, ist neues Lieblingsfeindbild der Gemeinde.

Radikalste Wendung. Peter Sunde, Gründer von „Pirate Bay“, will sich nach Absitzen seiner Gefängnisstrafe nicht weiter mit der Musik- und Filmindustrie anlegen: „Die Sache ist verloren.“

Populärstes Grafikformat. Ungeschlagen bleibt das Katzen-GIF. Löste beim Publikum auch in der neunten Konferenzauflage „Aaahs“ und „Ooohs“ aus.

Gänsehautmoment. Kathrin Passig und Mitstreiter erinnerten an längst antiquierte Technik wie Furbie, Rechenschieber und Mini-CD-Player.

Bester Sascha-Lobo-Ersatz. Gab es nicht. Sascha Lobo, kommen Sie zurück. Der neunten Auflage mangelte es ein wenig an Polemik und gesundem Größenwahn.

Wichtigster Link. Auf dem Youtube-Kanal der re:publica lassen sich verpasste Vorträge noch einmal ansehen. Töne und Bilder gibt es auch hier: www.tagesspiegel.de/11735682.html.

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