Dagobert Lindlau wird 85 : Ohne Angst vor jedem Mob

Der Preisgekrönte: Journalisten-Urgestein Dagobert Lindlau wird 85. In seinem Berufsleben hat er auch vor ungewöhnlichen Maßnahmen nicht zurück geschreckt.

Markus Ehrenberg
Dagobert Lindlau
Dagobert LindlauFoto: dpa

Ein LSD-Kauf im Hippie-Gebiet Haight- Ashbury im San Francisco der 1960er Jahre, Berichte über den Kiezkrieg im St. Pauli der 80er Jahre und über das Organisierte Verbrechen in Deutschland oder auch die Moderationen von Talkshows – der Journalist Dagobert Lindlau hat in seiner Karriere wahrlich wenig ausgelassen. Ein Reporter von altem Schrot und Korn und damit Vorbild für viele aus der Journalisten-Generation nach ihm. Seine kritischen Reportagen wurden Bestseller, lösten häufig kontroverse Diskussionen aus wie sein Buch „Der Mob – Recherchen zum Organisierten Verbrechen“ (1987). Auch in seinem Buch „Der Lohnkiller“ um den Fall des Hamburger Killers Werner Pinzner und dem Roman „Stranglers Woche“ bedient er sich realer Strukturen aus dem Milieu. Zuletzt erschien 2006 sein Buch „Reporter. Eine Art Beruf“ über 50 Jahre Erfahrungen in diesem Job.

Seine Journalisten- Karriere begann Lindlau 1954 beim Bayerischen Rundfunk. Dort wurde er Chefreporter. Bis in die 80er Jahre hinein war er als Moderator und Leiter verschiedener Magazinsendungen wie „Report“, „Kompass“, „Weltspiegel“ oder der Talkshow „3nach9“ tätig. Seine „couragiert-kompetenten Kommentare“ und „imponierenden Beiträge zur Gesprächskultur im Fernsehen“, darunter ein Interview mit Max Horkheimer zum „faschistischen Antifaschismus“, wurden mit drei Adolf-Grimme-Preisen ausgezeichnet.

Im höheren Alter hat sich der in München lebende Lindlau, der als Kind 1944 im zweiten Weltkrieg bei einem Bombenangriff schwer verletzt wurde, aufs Schreiben verlegt. Als Urgestein des kritisch-engagierten Fernsehjournalismus findet er auch kurz vor seinem 85. Geburtstag an diesem Sonntag deutliche Worte zu brisanten Themen. In der Flüchtlingskrise kritisiert Lindlau das späte Handeln von Politikern angesichts einer sich seit Jahrzehnten ankündigenden Herausforderung. Mit Blick auf die Flüchtlingskrise spricht Lindlau gegenüber der Deutschen Presse-Agentur von einer „übermächtigen Herausforderung“, die auch mit einer „noch so liebenswerten und verdienstvollen Willkommenskultur und ein paar Gesetzen allein nicht zu bewältigen sein wird“.

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