Daily Soap XXL : „Wir stoßen an Grenzen“

Produzent Guido Reinhardt über die verlängerte „Verbotene Liebe“, Serienbiester, Auto-Design und die Last der Autoren.

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Liebe XL. Julia (Nina Bott, mit Remo Schulze) wartete schon 1995 auf Jan.Foto: ARD
Liebe XL. Julia (Nina Bott, mit Remo Schulze) wartete schon 1995 auf Jan.Foto: ARDFoto: ARD/Timo Seidel

Herr Reinhardt, „Verbotene Liebe“ läuft ab Dienstag satte 45 statt 23 Minuten, als Fortsetzung einer Liebesgeschichte, die der Daily Soap vor 16 Jahren ihren Namen gab: Jan und Julia sollen auf den Bildschirm zurückkehren. Back to the roots, das ist ja nicht unbedingt originell.

Die Idee, Jan und Julia zurückzuholen, hatte ich lange vor den ersten Gesprächen über die Verlängerung der Sendezeit. Insofern ist die Umstellung auf 45 Minuten für uns eine viel bessere Möglichkeit, diese Rückkehr zu erzählen, als die Antwort auf die Frage: „Oh mein Gott, wie füllen wir all die Sendezeit?“

Haben Sie „Jan und Julia“ noch gekannt?

Wenn man es genau nimmt, habe ich mit „Jan und Julia“ bei Grundy UFA angefangen. Damals allerdings bei der Serie „Unter Uns“. Mit der Rückkehr der beiden führen wir aber auch neue Figuren ein. Auf jeden Fall erwähnt werden muss die Rückkehr von Clarissa von Anstetten, dem Serienbiest par excellence. Eine erfolgreiche Serie braucht auch Beständigkeit. Figuren wie Arno Brandner und Charlie Schneider, die seit der ersten Stunde von denselben Schauspielern verkörpert werden, sind genauso bedeutend wie „neue Gesichter“.

16 Jahre Daily Soap - können Sie da noch alle Figuren aufsagen?

Da muss ich leider passen. Aber ich wüsste, wo ich im Internet eine komplette, von Fans erstellte Liste finde.

Doppelt so viel Sendezeit täglich – wie ist diese Mehrarbeit in dem ohnehin stark arbeitenden Team in Köln-Ossendorf zu bewältigen? Mehr Fließband geht doch nicht.

Nehmen wir die Anforderungen an die Autoren: Jeder Drehbuchautor kennt die Problematik, dass er beim Schreiben anders als ein Romanautor immer die Realisierbarkeit und das Budget im Auge behalten muss. Selbst wenn man für Hollywood schreibt, gibt es Grenzen, an die man stößt.

Aber nicht täglich.

Unsere Autoren und Storyliner sehen sich engeren Grenzen gegenüber. Sie müssen nicht nur das Budget beim Schreiben bedenken, sondern auch Drehzeiten, Schauspielerverfügbarkeiten, vorhandene Sets etc. Bevor sie eine Geschichte entwickeln, ist festgelegt, in wie vielen Szenen diese erzählt werden muss. Es steht fest, wie viele Szenen im Studio und im Außendreh gedreht werden dürfen. Es muss jedem klar sein, dass es ein Höchstmaß an Kreativität erfordert, um in diesem engen Rahmen fast 20 Jahre lang jeden Tag neue Geschichten zu erfinden, die ein Millionenpublikum unterhalten.

Wie behält man da die Übersicht?

Wenn wir die Serien-Produktion mit der Herstellung von Autos vergleichen, dann ist es nicht meine Aufgabe zu überprüfen, ob die Schrauben an den Rädern festgezogen sind. Dafür haben wir Spezialisten in allen Bereichen. Ich überprüfe, ob die Autos, die vom Band laufen, auch die Fahreigenschaften und das Design besitzen, die der Kunde erwartet.

Das ist die ARD. Die hat im Vorabendprogramm seit Jahren Probleme. Vergangene Woche wurde der „Marienhof“ eingestellt. Wie groß ist die Last für „VL“, für Sie, das jetzt noch mehr auffangen zu müssen?

Wir wissen, wie wichtig Quote ist, Quotendruck ist unser täglich Brot. Natürlich muss und wird sich die Serie wandeln. Die Zielgruppe, die wir mit den XL-Folgen ansprechen, ist die gleiche. Aber wir wollen sie zahlenmäßig ausbauen.

Guido Reinhardt, Produzent von „Verbotene Liebe“/Grundy Ufa. Die Daily Soap läuft ab Dienstag, ARD, 18 Uhr (Folge 3865), erstmals doppelt so lang. Die Fragen stellte

Markus Ehrenberg.

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