"Dalli Dalli" : Auftakt ohne Aura

Nettes Lächeln, aber wenig Schwung: Kai Pflaume moderiert die erste Folge vom neuen, alten „Dalli Dalli“ und kann dabei nur bedingt mit Hans Rosenthal aufnehmen.

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In der ersten Folge traten Uwe Ochsenknecht (l) und Heiner Lauterbach (r.) bei Kai Pflaumes „Dalli Dalli“ an. Foto: NDR
In der ersten Folge traten Uwe Ochsenknecht (l) und Heiner Lauterbach (r.) bei Kai Pflaumes „Dalli Dalli“ an. Foto: NDRFoto: NDR/Thorsten Jander

In der Doku „40 Jahre ,Dalli Dalli’ – die Legende lebt“, die am Samstagabend nach der „Dalli Dalli’-Neuauflage mit Kai Pflaume im Norddeutschen Rundfunk gesendet wurde, sagte Alt-Kandidatin Kim Fischer: „So was darf eigentlich nur machen, wer es erfunden hat“. Und sie hat völlig recht. Aber andere sehen das anders, eine lebende Legende kann verkörpert werden – warum nicht Hans Rosenthal von Kai Pflaume? „Dalli Dalli“ hat man schon einmal versucht wiederzubeleben, und man wird es vielleicht ein drittes Mal tun. Das Problem ist nur, dass Hans Rosenthal nicht wiederbelebt werden kann. Und auch nicht seine Zeit.

Die Doku zeigte sehr schön, worin der unwiederbringliche Charme dieses jüdischen Quizmasters, der sich vor den Nazi-Häschern versteckt hatte, bestand. Er diente der Show und dem Publikum ohne Eitelkeit oder Ranschmeiße, und er stand für ein Unterhaltungsbedürfnis, das gemeinsam mit dem damals noch taufrischen Medium Fernsehen so etwas wie reine Spielfreude, wie unschuldiges Spaßvergnügen neu erfand. Und das „Trotzdem“, wenn er in die Luft springt, war die Signatur dieser „unschuldigen“ Showtime. Heute sind wir ganz woanders.

Die Showmaster wirken narzisstisch, die Ausstattungen sind pompös, die Spannungen höher, die Spiele vertrackter. Ein nachgebautes „Dalli Dalli“ wirkt da ziemlich unbedarft. Das liegt nicht nur daran, dass Rosenthal nicht mehr lebt, sondern dass sein Gesicht, seine Art und sein Eifer ein perfekter Zeitspiegel waren. Kai Pflaume gehört in eine andere Ära, wenngleich er mit seiner Bescheidenheit dem Altmeister noch am nächsten kommt. So zog wohl auch der Respekt vor dem legendären Rias-Mann Rosenthal und seiner Sendung, die ja dieses Jahr vierzigjähriges Jubiläum hat, das Publikum vor das Gerät: 1,59 Millionen Zuschauer schaltete das Neu-„Dalli Dalli“ ein (Marktanteil 11,8 Prozent).

Aber was brachte die Neuauflage? Wie einst kämpften zwei Teams darum, welches am schnellsten und am meisten erriet und wusste und am geschicktesten hantieren konnte. Peter Hahne und Jenny Jürgens schlugen Uwe Ochsenknecht und Heiner Lauterbach, und Kai Pflaume stand mittendrin und lächelte sein im Grunde sympathisch zaghaftes Lächeln. Wenn er „Dalli Dalli“ sagte, klang es aber eher wie „Nun mal langsam“. Er konnte die Aufgaben gut erklären, das muss man ihm lassen. Dennoch: Die Show lief ohne den besonderen Mehrwert, welchen damals die Aura des populären Entertainers und die Unschuld der Spielfreude erzeugten, sie plätscherte dahin. Nostalgie im Fernsehen ist okay, gehört aber in Formate wie die erwähnte Doku, nicht in Ausgrabungen von Shows, die ihre Zeit hatten und nur in ihr funktionierten. Man kann Vergangenheit nicht kopieren, nur reflektieren. Barbara Sichtermann

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