Dalli-Dalli-Comeback im Ersten : „Das war Spitze“

Kai Pflaume bringt das deutsche Unterhaltungsfernsehen zu seinen Wurzeln zurück und macht damit gute Quote. Prominente Gäste wie Matthias Opdenhövel gaben sich alle Mühe, dem Spielewahnsinn den nötigen Ernst zu verleihen.

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Entertainer Kai Pflaume vor der berühmten Wabenwand. Foto: dpa
Entertainer Kai Pflaume vor der berühmten Wabenwand.Foto: dpa

"Sie sind der Meinung, das war...": "Spitzeeeee!" - die Wörter von Moderator Hans Rosenthal, sein Sprung in die Luft und die krachende Antwort des Publikums in der Spielshow "Dalli Dalli" sind legendär. Dazu die bekannte Melodie ( vorsicht, die geht vor 1970 Geborenen nicht mehr aus dem Ohr): Dab da dab da dab, dab da dab da dab, dab da dab da dab da!; da ba daa dab. Am Donnerstagabend kehrte der ZDF-Showklassiker samt Ohrwurm aus den 1970ern und 1980ern auf die große TV-Bühne zurück, mit verändertem Namen, bei der öffentlich-rechtlichen Konkurrenz: „Das ist Spitze!". Kein genialer Schachzug der ARD-Unterhaltung, aber immerhin: besser gut geklaut, als schlecht erfunden.

Wenn man denn einen Kai Pflaume hat (und ein ZDF, das die Formatrechte herausrückt). Ist auf jeden Fall keine ironische Selbstentblößung zu erwarten. Pflaume, dessen Karriere im TV sich gerade zum 20. Mal gejährt hat, bringt Showerfahrung bei privaten und öffentlich-rechtlichen Sendern mit, "Nur die Liebe zählt" (RTL), "Drei bei Kai" (ARD), oder "Die Glücksspirale" (Sat1). Seit zwei Jahren gibt es eine Mini-Version von „Dalli Dalli“ mit Pflaume im NDR. In dem Fahrwasser kann wenig schief gehen.

Tat es auch nicht. So schalteten am Donnerstag 4,84 Millionen Zuschauer ein und machten "Das ist Spitze!" zum Tagessieger (Marktanteil: 16,2 Prozent). Mit 9,1 Prozent Marktanteil war die Sendung auch bei den 14- bis 49-Jährigen ein voller Erfolg. Man mag Kai Pflaume ja viel nachsagen, aber im deutschen Fernsehen darf nur der Mann mit dem Lieblings-Schwiegersohn-Image den stets gut gelaunten Hans Rosenthal geben. Dazu gab es in der Show vorab den Segen von Familie Rosenthal, Witwe Traudl und Sohn Gert waren als Ehrengäste geladen. Für die Zwei-Personen-Jury wurde neben Jan Hofer gleich mal Rosenthals herrlich nervöse Enkelin Debby, 20, verpflichtet. Das entwaffnet jeden Kritiker.

Weg mit Ironie und Zynismus à la Stefan Raab

Am Konzept gibt’s sowieso nicht viel herumzumäkeln. Weg mit Ironie und Zynismus à la Stefan Raab - Namen von Inseln aufsagen, Wasser durch die Gegend balancieren oder Luftballons zerstechen und zwar alles dalli dalli. Das ist das Prinzip der Spielshow mit acht Gästen, die in Zweier-Teams gegeneinander antreten, vor 40 Jahren und auch heute. Es lebe die Nostalgie im Fernsehen. Die Prominenten, darunter Florian Silbereisen, Katarina Witt, Jutta Speidel, Stephanie Stumpf, Matthias Opdenhövel und Henry Maske, gaben sich alle Mühe, dem heiteren Spielewahnsinn den nötigen Ich-will-gewinnen-Ernst zu verleihen. Flogen durch die Luft, stöckelten auf Plateau-Schuhe, steckten ihre Köpfe ins Wasser, liefen in Konfettikostümen durchs Studio mit der berühmten „Dalli-Dalli“-Wabenwand. Kindergeburtstag.

Da heißen die Teams „Leinwand“, „Leibärzte“ oder „Lampenfieber“ und bekommen Fragen wie: „Ihr geht am Wochenende aufs Oktoberfest, was macht Ihr da?“. Die Antworten: „,Rettich essen, Würstl essen, Brezl essen, Leberkäs essen, Hähnchen essen….“ Undsoweiterundsofort. Fleißiges Punktesammeln für den guten Zweck, über 20000 Euro für die Hans-Rosenthal-Stiftung. Dazu Spiele, wie „Kaffeemühle XXL“ oder, natürlich, das Foto-Ratespiel „Dalli Klick“. Am Ende sogar ein paar politische Fragen: Was denkt Angela Merkel? Am besten interpretierten das Matthias Opdenhövel und Florian Silbereisen, das Team Lampenfieber war der Gewinner eines kurzweiligen Abends - solange man nicht die Maßstäbe des Adolf-Grimme-Institutes anlegt .

Das ist allemal billiger als „Wetten, dass…?“, wahrscheinlich auch besser. Und wenn es nur wegen dieses berühmten – für die Kamera stets eingefrorenen - Sprungs, dieser ewigen Frage ist: „Sie sind der Meinung, das war…..?“  Hoffentlich hat Kai Pflaume vom vielen Hochspringen keinen Meniskusschaden davon getragen. Noch zwei Male in diesem Jahr darf der Moderator für die große ARD-Unterhaltung am Donnerstagabend in die Luft gehen.

 

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