Medien : Danach zur Körbchen-Jagd Die RTL-2-Reihe über Schönheits-Operationen

zeigt den festen Willen zur Aufklärung

Kerstin Decker

Der Onkel von Heinrich Heine hatte eine Nase, die war zwar „griechisch geradlinig, aber gewiss um ein Drittel länger, als die Griechen ihre Nasen zu tragen pflegten.“ Hätte es damals schon Schönheits-Operationen gegeben, wäre die Nase nicht das Einzige, was der Menschheit von Heinrich Heines Onkel im Gedächtnis blieb. Nadine Schrader will nicht, dass es ihr einmal genau so geht. Nadine ist noch sehr jung und hat eine Nase wie Heinrich Heines Onkel. Jedenfalls sagt sie das. Denn eigentlich fällt die Überlänge der Schrader-Nase gar nicht auf. Oder nehmen wir diese junge LKW-Fahrerin mit dem großen Busen, die nur eine Lebensangst kennt: Ihre Brust ist zu klein! Ja Mädchen, denkt man noch, wie soll das denn mal werden?

RTL 2 zeigt es. Wir waren gut gewarnt vor diesem jüngsten Erzeugnis des Hauses. Menschen, die ein großes Gewissen besitzen, argwöhnen seit langem, dass unsere Jugend bald aussehen könnte wie Michael Jackson. Ein Land voller Androiden. Jedenfalls, wenn die Privatsender so weitermachen mit ihrer Berichterstattung vor und aus dem Operationssaal. Aber das war unfair.

Nach der ersten Folge der zehnteiligen (!) Reihe „Schönheit um jeden Preis – Letze Hoffnung Skalpell“ können wir ganz ruhig sein. Alles halb so schlimm. Und ist da nicht ein ganz deutlicher Aufklärungswille? Wir hören von der Frau mit den gestrafften Lidern, die ihre Augen noch immer nicht schließen kann. Die Trägerinnen der untragbaren Nase und der Mini-Brust werden in strengstem Ton nach dem befragt, was Psychologen eine „Motivationsgundlage“ nennen. Und sogar die Operationswilligen selber sind sich eines gewissen Risikos bewusst. Hauptsache, der Brustmuskel bleibt heil, hofft die LKW-Fahrerin, damit sie auch weiterhin ohne Fremdhilfe die Reifen wechseln kann.

Natürlich denkt man nie an alles. Wenn sie sich jetzt beim Reifenwechsel vorbeugt, hat sie viel mehr Schwerkraft. Auf jeder Seite ein Kilogramm! Hatte es die tschechische Ärztin nicht gesagt? „Das Gewicht geht nach unten!“ Dabei hat sie dem angehenden Busenwunder schon die 750 ml verwehrt. Von wegen, diese ausländischen Ärzte machen gegen Geld offensichtlich alles!

Außerdem dürfen wir mitkommen auf BH-Suche. Die Körbchen-Größe, die die Fernfahrerin nun braucht, gibt es gar nicht. Ja, was heißt Körbchen? Da gibt es nur ganz spezielle Modelle, sprich orthopädische Schuhe für oben. Ist das nicht schon – Aufklärung?

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