Medien : Dandy und Stalin

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Tom Peuckert verrät, was

Sie nicht verpassen sollten

Manche Tatsachen sind einfach verblüffend. Vor zehn Jahren gab es noch kein Internet. Wir waren scheinbar die Gleichen wie heute, wir feierten Weihnachen, stritten und versöhnten uns, kauften Autos und dachten über Geldanlagen nach. Aber niemand hatte einen Internetanschluss. Niemand surfte über Datenströme oder chattete nachts in Kannibalenforen. Für schnelle Liebesgrüße war nicht unser Provider zuständig, sondern der nächstbeste Telegrammbote. Da ist es doch interessant, sich noch einmal die ganze, rasante Geschichte des World Wide Web erzählen zu lassen. „Von Datendandys und Infoarchitekten“ heißt Justus Herrmanns Feature. Wie zehn Jahre ausreichen, um eine Kultur in ihren technologiegestützten Ritualen komplett zu verändern (Deutschlandfunk, 19. Dezember, 19 Uhr 15, UKW 97,7 MHz).

Wo es nicht um den technischen Fortschritt geht, erweist sich die Menschenwelt oft als erstaunlich zäh. Das hat David Zane Mairowitz auf einer Reise durch Georgien erfahren. Hier, an den Hängen des Kaukasus, stand Stalins Wiege. Vor fünfzig Jahren ist der Diktator gestorben. Eine Zeitspanne, die in der menschlichen Erinnerung auf ein Nichts zusammenschrumpfen kann. Mairowitz sucht in Georgien nach Stalins Spuren und findet sie in großer Fülle. Es gibt Stalin- Museen und Stalin-Gedenkstätten aller Art. Der Autor spricht mit vielen, für die der blutige Recke niemals wirklich gestorben ist. Auch Stalins leibhafter Enkel kommt zu Wort. Weil Mairowitz der Sohn amerikanischer Kommunisten ist, hat sein Feature einen ganz lässigen Titel: „Good old Uncle Joe“ . Ein persönliches Roadmovie durch die blühenden Landschaften des Stalin-Mythos. Reisen Sie doch einfach mit (Deutschlandradio, 17. Dezember, 19 Uhr 05, UKW 89,6 MHz).

Mitgereist ist auch die Fürstin Wolkonskaja. Ihr Gatte wurde 1827 als Verschwörer gegen den Zaren nach Sibirien verbannt. Die zarte Dame beschloss, sein hartes Leben am Rande der Welt zu teilen. In ihrem Hörspiel „Deiner fernen Wüste Trauer“ erzählt Christine Nagel , wie die junge Fürstin per Kutsche nach Sibirien reist, begleitet nur von ihrer Zofe. In einer Winternacht bleibt man kurz vorm Ural im Schneesturm stecken. Jetzt hat Maria Wolkonskaja nur noch Puschkin-Gedichte und glückliche Kindheitserinnerungen, um den Elementen zu trotzen (Deutschlandfunk, 13. Dezember, 20 Uhr 05).

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