Medien : „Dann wäre ich vielleicht Förster geworden“

Hardy Krüger jr. über seine Kindheit, Weltenbummler im deutschen Wald und die Nöte eines Serienstars

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Herr Krüger, auf Ihrer Homepage steht eine etwas ungewöhnliche Erklärung, warum Sie das „Forsthaus Falkenau“ übernehmen …

…„surprise your audience”, frei nach Hitchcock. Ich war ja auch überrascht. Ich hatte gar nicht damit gerechnet, dass man mir nach über zehn Jahren wieder eine Fernsehserie anbietet.

Die Surferserie „Gegen den Wind“ hat sie bekannt gemacht.

Genau, Mitte der 90 Jahre. Dann kam die internationale Karriere. Als mir das ZDF nach einigen Spielfilmen, die ich im Zweiten gemacht habe, das „Forsthaus Falkenau“ anbot, war ich gerade auf Theatertournee. Ich habe mich gefragt: Will ich wirklich Serie machen? Und darüber nachgedacht, was mir in der Fernsehwelt fehlt.

Geld vielleicht?

Nein. Klar ist es für einen Schauspieler wichtig, dass er arbeitet. Wer was anderes behauptet, macht sich was vor. Vom Theaterspielen kann ich meine Familie nicht ernähren. Michael Caine hat mal gesagt: Warte nicht, bis die große Rolle auf dich zukommt, sondern mach’ jede Rolle, die du annimmst, zu einer großen Rolle.

Auch einen Serien-Förster?

Warum nicht? Nachdem mich das ZDF gefragt hatte, habe ich für „Forsthaus Falkenau“ ein Konzept geschrieben. Die machten mir meine Entscheidung einfach, übernahmen das eins zu eins. Außerdem ist „Forsthaus Falkenau“ mit sechs Millionen Zuschauern eine der erfolgreichsten Serien überhaupt. Es ist ein Risiko und eine riesige Herausforderung zugleich. Und was den Spruch auf meiner Homepage betrifft: Stimmt, viele können es sich gar nicht vorstellen, dass der Krüger jr. jetzt den Förster macht.

Treue „Falkenau“-Fans könnten scharenweise abschalten.

Es gibt schon noch einen Wiedererkennungseffekt: das Forsthaus und seine Umgebung. Und wir haben mit Martin Lüttge, Günther Schramm und Veronika Fitz tolle Schauspieler mit an Bord.

Aber nicht den beliebten Martin Rombach alias Christian Wolff. Seriengucker wollen nicht überrascht werden.

Christian Wolff hat den Förster 18 Jahre lang gelebt. Wir haben eine neue Figur geschaffen, Stefan Leitner, einen alleinerziehenden Ranger aus Kanada, der in sein Heimatdorf zurückkehrt, nach Küblach. Kein klassischer Nachfolger des alten Protagonisten.

Von Kanada nach Küblach – haben Sie sich für das gewisse Förster-Gefühl alte „Falkenau“-Folgen angeschaut?

Überhaupt nicht, ich sehe so gut wie nie Fernsehen. Zu wenig Zeit. Ich engagiere mich für Unicef, die Lebenshilfe Freising und ein Kinderhospiz in Düsseldorf, und ich habe zwei Kinder, im Alter von sechs und zwölf Jahren. Mit den beiden versuche ich so viel Zeit wie möglich zu verbringen.

Ihren Vater zog es in die Ferne. Sie haben lange in den USA gelebt. Nochmals, bei der idealen Serienrolle für Hardy Krüger jr. denkt man jetzt nicht unbedingt an stille Förster im Bayerischen Wald, an heile Welt, Heimatfilme …

Ich bin kein Freund von Kitsch. Und mit dem Begriff „Heimat“ verbinde ich Familie. Ich habe so viel gesehen in meiner Kindheit, wie gesagt, mein Vater war Weltenbummler. Was ist meine Heimat? Am ehesten wohl das Tessin, Lugano, wo ich geboren wurde.

Wollten Sie als Kind Förster werden?

Bestimmt nicht. Meine Schwester hatte mal einen Forstwissenschaftler als Freund. Das war mein einziger Bezug. Aber ich bin als Naturkind geboren. Durch meine ersten 16 Folgen „Forsthaus Falkenau“ habe ich viel dazugelernt. Ich laufe anders durch den Wald als früher. Förster, Jäger, Baumpfleger – wen man da alles kennenlernt. Wenn ich mit 17, 18 Jahren gewusst hätte, was es in der Natur für schöne Berufe gibt, wäre ich vielleicht Förster oder Gärtner geworden.

Im Pressetext zum neuen „Forsthaus“ steht, dass die „heutige Wirklichkeit“ abgebildet werden soll, in einer Welt, die keine klaren Antworten parat habe. Ganz schön anspruchsvoll für eine Familienserie. Stefan Leitner, der Öko-Förster?

Wir arbeiten nicht mit Kalendersprüchen. Öko hat immer so einen komischen Beigeschmack, aber die Themen Ökologie und Klimaveränderung sind superspannend. Da hat eine populäre Familienserie durchaus Vorbildfunktion. Das werden wir in den nächsten Staffeln noch ausbauen, falls uns das Publikum akzeptiert.

Sie wollen das doch nicht auch 18 Jahre machen.

Ehrliche Antwort?

Ja.

Das hängt vom Publikum ab. Warum sollte ich mit etwas aufhören, das geliebt wird.

Vielleicht drehen Sie mal mit Ihrem Vater. Hardy Krüger und Hardy Krüger jr. vor einer Kamera, da wartet man seit Jahren drauf.

Wir haben gute Ideen im fiktionalen und im Doku-Bereich. Mit der Umsetzung hapert es leider noch. Was nicht daran liegt, dass mein Vater in Kalifornien lebt, sondern dass uns einfach die Zeit fehlt. Wir versuchen jede Chance zu nutzen uns zu sehen, doch meist klappt es nur, wenn wir beiden auf Tournee sind.

Das Gespräch führte

Markus Ehrenberg.

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