Danner-Interview : "Ich rede nicht gerne über neue Sternchen"

RTL-Experte Christian Danner über Michael Schumacher, Senioren-Rennen und die Boxengasse.

von
Danner
Christian Danner -Foto: RTL

Herr Danner, Sie haben ihre aktive Formel-1-Karriere 1989 beendet. Hatten Sie danach – wie jetzt Michael Schumacher – auch den Wunsch verspürt, noch einmal in ein Formel-1-Auto zu steigen?



Ich blicke auf eine sehr bunte Karriere zurück, in der ich alles gefahren bin, in Amerika, in Japan, in der Formel 1, in Le Mans, mit Tourenwagen. Ich kann glücklich und zufrieden zurückschauen. Ich fahre immer noch ein bisschen Rennen …

… unter anderem in der Mini Challenge …

... ja, solche Sachen. Den Spaß an der Freude lasse ich mir nicht nehmen. Aber es ist ein großer Unterschied, ob man vier Rennen im Jahr zwar professionell, aber eben doch aus Spaß fährt oder eine ganze WM.

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Willi Weber hat in einem Tagesspiegel-Interview gescherzt, Michael Schumacher könne noch bis 50 fahren. Was halten Sie für realistisch?



Irgendwann wird es unrealistisch. Ich bin jetzt 51 und war beim Grand Prix Masters, also der Seniors Tour, vorne dabei gegen Nigel Mansell, Emerson Fittipaldi und Ricardo Patrese. So etwas geht noch, aber in der Formel 1 hängen die Trauben schon hoch. Eine Sportlerkarriere währt nicht ewig, außer vielleicht beim Schach.

50 ist auch für Schumacher noch weit entfernt. Welche Chancen hat er in der aktuellen Saison?

Von seiner Speed und seinem Talent ist Michael jederzeit in der Lage, einen Grand Prix zu gewinnen. Alles, was danach kommt, ist reine Vermutung. Ich glaube momentan nicht, dass er eine Chance auf den WM-Titel hat, ganz einfach weil die Konkurrenz zu groß ist.

Das gilt nicht für die mediale Wahrnehmung. Da muss man eher fragen, welche Chancen die anderen Fahrer haben.

Diese Frage haben wir uns bei RTL natürlich auch gestellt. Die Zusammenarbeit mit den Nicht-Schumacher-Fahrern war in den letzten Jahren schlicht fantastisch. Mit Nico Rosberg konnten wir Sachen machen, davon haben wir bei Michael Schumacher nicht zu träumen gewagt. Mit Sebastian Vettel zu arbeiten war ein solcher Genuss, er ist humorvoll, offen, intelligent, eloquent und gar nicht einsilbig. Fahrer wie er freuen sich, wenn sie mit uns sprechen und Filmbeiträge machen können. Das gilt auch für Adrian Sutil oder Timo Glock. Ich betrachte Michael Schumacher im Endeffekt als eine Art medialen Steigbügelhalter für die kommende Generation.

Schumi im Mercedes, da wird der WM-Titel zur nationalen Aufgabe. Wie unbeeinflusst können Sie da noch kommentieren?

Ich habe damit keine Probleme, das ist mir schließlich auch gelungen, als Schumi der Nationalheld Nr. 1 war. Das wird mir aber auch deshalb gelingen, weil ich einige Jahre in England gewohnt und dort das Handwerk des Rennfahrers gelernt habe. Daher weiß ich auch, dass die Formel-1-Motoren von Mercedes im hübschen „deutschen“ Ort Brixworth gebaut werden – es handelt sich also um eine englisch-deutsch-internationale Verbindung. Das nationale Moment spielt also keineswegs eine so große Rolle. Das Schöne am Formel-1-Sport ist ja gerade die Internationalität.

Das Formel-1-Team von RTL mit Ihnen, Heiko Wasser, Florian König, Niki Lauda und Kai Ebel ist konstanter als bei vermutlich jeder anderen Sportart. Wie kann das so lange funktionieren?

Das liegt an harter Arbeit. Eine Formel-1-Saison ist eine sehr lange und anstrengende Angelegenheit, bei der man sich auch mal auf den Sender geht. Sie müssen dann an der Professionalität arbeiten, so wie ich und Heiko nach und vor jedem Rennen cool analysieren, was besser werden muss und was noch auszubauen ist. Das gilt für die gesamte Redaktion. Du kannst dich nicht hinstellen und hoffen, dass etwas zehn Jahre von allein gut geht.

Und man darf nicht nur die Stammzuschauer zufriedenstellen, sondern muss genauso an die Formel-1-Neulinge vor den Fernsehern denken.

Es ist meine Aufgabe, die komplexen Zusammenhänge so zu erläutern, dass ein Formel-1-Rennen auch für einen Nicht-Motorsportspezialisten zum Genuss werden kann. Ich möchte erreichen, dass die Leute, die Schumi noch einmal fahren sehen wollen oder einfach schauen wollen, ob Vettel doch besser ist, dabei bleiben wollen. Ich bilde die Brücke zwischen den Hardcore-Formel-1-Fakten wie Stoßdämpfer oder Radaufhängung und dem Neuankömmling, der sich darüber wundert, was die da eigentlich machen. Und das macht mir sehr viel Freude.

Heiko Wasser prescht manchmal in seinen Analysen etwas voraus, Sie bremsen ihn dann mit dem Wissen des Ex-Rennfahrers ein, zumindest wirkt das so. Wie definieren Sie selbst die Arbeitsteilung?


Wir haben uns das ganz klar aufgeteilt. Heiko Wasser stellt Fragen, von denen er weiß, dass sie vermutlich auch den Zuschauer bewegen. Ich bin der Fachmann, der antwortet. Anders als Heiko rede ich ungern über die neuen Sternchen in der Boxengasse. Ich rede lieber über Fahrwerksthemen oder die Renntaktik.

Das Interview führte Kurt Sagatz.


Christian Danner, 51, hat eine Leidenschaft für den Motorsport. Der Ex-Rennfahrer kommentiert bei RTL zusammen mit Heiko Wasser die Formel-1-Rennen (Sonntag 13 Uhr).

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