Medien : Das beste Hörspiel Europas

Tom Peuckert

Die meiste Schokolade wird im Dezember gegessen. Wenn es draußen dunkel und kalt ist, wächst unser Trostbedürfnis. Schokolade vermehrt die Glückshormone im Hirn und eine Art Cannabis ist auch drin. Wolf Sören Treuschs Feature „Schokolade“ führt uns in jene glücklichen Zonen, wo die Schokolade an den Bäumen wächst. Eine akustische Reise in den tiefen Süden. Zu den Kakaoplantagen Mexikos. Für den Genuss des Nordens werden hier die Bohnen geerntet und gehen dann auf eine lange Reise (Kulturradio, 7. Dezember, 22 Uhr 04, UKW 92,4 MHz).

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Ingomar von Kieseritzky ist der letzte barocke Ironiker, den wir in Deutschland haben. Die Romane und Hörspiele des gebürtigen Dresdners verblüffen durch scheinbar weltfremde Kauzigkeit. Echte Fans erkennen dahinter das Genie eines weit ausschweifenden Satirikers. Einen Erfinder vertrackter Fabeln, der seine Gegenwart mit philosophischer List attackiert. Kieseritzkys neues Hörspiel „Lässliche Sünden“ erzählt von einem alt und erfolglos gewordenen Schriftsteller namens Schwarz. Ausgerechnet auf einem Friedenstreffen, dem Versammlungsort prominenter Gutmenschen, hat Schwarz einen Mord begangen. Nun sitzt er im Beichtstuhl und berichtet. Seinem Beichtvater ist schon lange keine echte Todsünde mehr zu Ohren gekommen. Er reagiert begeistert auf die Geschichte (Deutschlandradio Kultur, 7. Dezember, 21 Uhr 33, UKW 89,6 MHz).

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Die Hauptfigur in David Z. Mairowitz’ schwarzer Hörspielkomödie „Im Krokodilsumpf“ , erhält ein dubioses Angebot. Sechs Millionen Dollar Prämie für den Hamburger Kleinunternehmer Elmo, wenn er ein paar Tage lang das ungeheure Vermögen einer nigerianischen Witwe auf seinem Bankkonto parkt. Dahinter kann nur ein Betrugsversuch stecken. Auch Elmo weiß es, aber dann nimmt die Geschichte eine bizarre Wendung. Mairowitz erzählt eine neue Variante auf ein altes Thema: Wie ein braver Bürger dem Lockruf der Wildnis erliegt. Der Traum von einer üppigen afrikanischen Schönheit, der Elmo in surrealen Telefonaten vorgegaukelt wird, zehrt seine europäischen Verstandeskräfte auf. Fast scheint es, als habe Elmo nur auf eine Chance gewartet, die solide deutsche Haut abzustreifen und für immer im heißen Krokodilsumpf zu verschwinden. Das Hörspiel ist eben zum besten europäischen Hörspiel gekrönt worden. Wer es bisher verpasst hat, sollte sich nun das Vergnügen machen (Kulturradio, 11. Dezember, 14 Uhr 04).

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In ein Künstlerschloss mit dem bissigen Namen Viperngrund entführt Wolfgang Zanders amüsantes Krimihörspiel „Titanic Viperngrund“ . Wer an das legendäre Schloss Wiepersdorf denkt, liegt vollkommen richtig. Der einstige Wohnsitz der Familie von Arnim wird seit Jahrzehnten von erholungssuchenden Kunstarbeitern frequentiert. Zander greift hinein in die riesige Schatzkiste voller Anekdoten und Sagen über den Ort. Weil der amtierende Schlossdirektor Bellheimer Morddrohungen erhält, wird Privatdetektiv Gass aus Potsdam engagiert. Der kauzig-ironische Detektiv muss sich nun tagsüber der Künstlerneurosen erwehren und nachts mit romantischen Schlossgespenstern kämpfen. Den befürchteten Mord kann er zwar nicht verhindern, trotzdem kommt alles anders als gedacht (Deutschlandradio Kultur, 11. Dezember, 15 Uhr 05).

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Den Freunden guter Musik empfehlen wir einen Schostakowitsch-Abend. Charles Bukowski stellt in einem späten Gedicht den Genuss der Werke des russischen Meisters gleich neben den Genuss des herrlichen Bieres aus Budweis. Bei Dmitri Schostakowitsch kämpfen die Engel der Romantik mit den Teufeln der Wirklichkeit. Musik als Möglichkeit des Schönen und als Spiegel einer meistens abscheulichen Welt. Schostakowitsch hat eine Reihe wunderbarer Quartette geschrieben. In der Sendung „Kammermusik“ werden Neuinterpretationen des Berliner Philharmonia Quartettes vorgestellt (Kulturradio, 13. Dezember, 20 Uhr 04).

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