• Das Bild der Türken im Fernsehen: Der fröhliche Romantiker - Erol Sander ist Sinan Toprak

Medien : Das Bild der Türken im Fernsehen: Der fröhliche Romantiker - Erol Sander ist Sinan Toprak

Uta-Maria Heim

Nein, sagt Erol Sander. So wie Sinan Toprak sei er nicht. "Der ist viel zu korrekt für mich. Schwarzer Anzug, schwarze Krawatte, weißes Hemd. Der ist deutscher als die Deutschen. Und das als Türke. Hat es so einen Kommissar je gegeben?"

Hat es nicht. "Sinan Toprak ist der Unbestechliche" stellt als neue Krimiserie am Donnerstagabend um 21 Uhr 15 auf RTL einen Ermittlertypus vor, der einerseits als Parodie auf ein Klischee konzipiert ist, der andererseits aber Herz und Familie hat. Sinan Toprak ist ein ironisierter Überlebender des Schwarz-Weiß-Fernsehens.

Erol Sander spielt Sinan Toprak. Es ist seine erste Hauptrolle. Dafür zog er von Paris zurück nach München. Hier ist er aufgewachsen, aber geboren ist er 1968 in Istanbul. "Ich bin Deutscher. Ich habe einen deutschen Pass", betont Erol Sander, der seine türkischen Wurzeln vor allem im Hang zur Romantik sieht. Seine Lebensgeschichte klingt eher nüchtern. "1973 kam ich mit meiner Mutter nach Deutschland, nachdem sie sich hatte scheiden lassen. Meine Mutter war allein mit mir und meiner jüngeren Schwester. Sie hat ihr Leben lang immer nur gespült und geputzt. 1990 ging ich nach Paris, um zu modeln. Nebenher versuchte ich, Politik und BWL zu studieren."

Wie viele so genannte "Gastarbeiterkinder" wollte Erol Sander alles besonders gut machen. Besser als die andern. Er studierte, er modelte und nahm nebenher Schauspielunterricht. Er war ehrgeizig. Und er hatte Glück. "Per Zeitungsanzeige wurde ein türkischer Nebendarsteller gesucht. Beim Casting wusste ich gar nicht, worum es ging. Ich war nervös, aber es hat geklappt. Ich bin Toprak."

Sinan Toprak ist die recycelte Rechenmaschine vom Format eines rechtschaffenen Nachkriegsermittlers. Gleichzeitig tickt in ihm die orientalische Uhr. Er ist kein Lyriker oder Vollblutcholeriker. Er ist so gewaltbereit wie ein steriler Waschlappen. Dabei ist er glutäugig und schwarzhaarig und schöner als jeder James Bond. Das alles erklärt aber noch nicht, womit er seine Fälle löst. Sie sind teilweise ziemlich wirr. Sinan Toprak löst sie trotzdem, mit diesem Lächeln, mit dem er morgens neben seiner blonden Frau aufwacht. Seine beiden Kinder sind herzige Bälger, die sich trotz der konservativ-rassistischen Nachbarschaft nicht einmachen lassen. Das Exotische ist das Normale, zugleich Erfolgreiche, und jene, die vorschnell die Norm bestimmen, spinnen selber.

Ein nettes Umkehrspiel, das aber nur schlecht vertuscht, dass Erol Sander meist wenig zu spielen hat. Er füllt den Raum mit einem Stirnrunzeln, als stünde er auf einem Laufsteg. Und da kommt ihm Sinan Toprak in die Quere: Seine Beerdigungsklamotten führt er aus, als könne er mit dieser daneben liegenden Verkleidung die Welt retten. Er wirkt wie der Sohn des Muezzins nach einer Gehirnwäsche durch die kapitalistischen Rationalisten. Trotzdem ist Sinan Toprak keinesfalls der Unausstehliche: Man sollte ihm und Erol Sander unbedingt eine Chance geben.

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