Medien : Das doppelte Spiel

Die Telekom beharrt darauf, ihr Internet-Bundesliga-Fernsehen auch über Kabel und Satellit zu übertragen

Simon Feldmer

Spitzenvertreter von Telekom und Deutscher Fußball-Liga (DFL) versuchen seit Tagen, ein mächtiges Problem aus der Welt zu schaffen: Wer darf wo ab der kommenden Saison über die Bundesliga berichten? Eigentlich hat der Newcomer Arena für 220 Millionen Euro pro Spielzeit den Zuschlag bekommen und Platzhirsch Premiere aus dem Rennen gekippt. Arena ist gerade mühsam dabei, ein Pay- TV-Portal aufzubauen. Doch die DFL hat die Live-Rechte zwei Mal vergeben: Die Telekom erkaufte sich für 50 Millionen Euro die Nutzungsrechte fürs Internet. Dumm daran ist nur, dass sich die Vertragsparteien jetzt nicht mehr einig sind, was sie da verkauft oder gekauft haben.

Am Donnerstag reiste wieder mal eine hohe Telekom-Abordnung in die Frankfurter Ligazentrale zu einem Schlichtungsgespräch. Die DFL beharrte bis dato darauf, dass die Telekom ihr Internet-Fernsehen (IP-TV) allein über ein neues Glasfasernetz (VDSL) verbreiten dürfe. Das wird gerade ausgebaut. Bis zum Bundesligastart sollen 2,9 Millionen Haushalte in zehn großen Städten angeschlossen sein. Doch das ist der Telekom für ihr Prestigeprojekt IP-TV zu wenig. „Was machen wir, wenn ein T-Online- Kunde aus Mönchengladbach kommt und unser Bundesliga-Angebot sehen will?“ fragt ein Telekom-Manager. In Mönchengladbach wird es so schnell kein VDSL- Netz geben. Deshalb möchte die Telekom ihr IP-TV-Signal zusätzlich via Kabel und Satellit verbreiten. Mit einer Art technischen Umleitung wäre es möglich, dass die Telekom die bisherigen Kunden des Pay-TV-Senders Premiere mit Fußball- Berichten versorgt. Der Abonnent würde nicht merken, dass das Signal in einem Zwischenschritt im so genannten IP-TV- Standard gesendet worden ist. Das erzürnte jedoch die DFL. Liga-Präsident Hackmann polterte in der „Bild“: Ein umfassendes zweites Bundesliga- Live-Angebot müssen die Fußball-Manager verhindern; Arena hat schon mit Klagen gedroht. Die Telekom wiederum fühlt sich im Recht: So habe die DFL, sagt ein Eingeweihter, im November 2005 ihre eigene Ausschreibung modifiziert und eine Verbreitung des Live-Angebotes über Internet, Kabel und Satellit eingeschlossen. Was zu der aberwitzigen Konstellation führt, dass somit auch Arena über Internetrechte verfügt und Fußball online senden könnte. Die Telekom beruft sich auf Öffnungsklauseln in ihren Verträgen, die „im Hinblick auf die rasanten technischen Entwicklungen keine Festlegung auf Verwertungsformen“ enthielten. Die DFL hat für diesen Sonntag ein neues Verwertungskonzept der Telekom angefordert. Eine vorsichtige Annäherung der Konfliktparteien wird nicht ausgeschlossen. „Wir befinden uns in sehr vertrauensvollen Gesprächen“, sagte DFL-Kommunikationsdirektor Tom Bender am Freitag. Sollten die jedoch scheitern, könnte der Streit bald vor Gericht landen.

Und was macht der bisherige DFL-Partner Premiere? Chef Georg Kofler hält sich ungewohnt zurück. Die Telekom braucht für IP-TV eine Sendelizenz, Premiere ist hier der Wunschpartner. „Ob wir unser Angebot magentafarben stricken oder in Premiere-Rot, ist erst mal zweitrangig“, sagt ein Telekom-Manager. Kofler soll sich mit Magenta schon angefreundet haben. Ist ja auch besser als gar nichts.

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