Das Erste und der Sport : Das System ARD

Eine Dopingmeldung und ihre Konsequenzen: Einer bedauert, einer recherchiert, einer bedauert nicht. Ein Blick auf die Logik der ARD.

Joachim Huber
ARD
Das Moderatoren-Team der ARD-Wintersportberichterstattung: Michael Antwerpes und Uschi Disl. -Foto: Tsp

Die Entschuldigung kam live über den ARD-Schirm, aber der Schaden und der Druck für die Verantwortlichen bleiben erst einmal. Der ARD-Dopingexperte Hajo Seppelt hatte am Dienstag behauptet, dass deutsche Spitzensportler auch aus den Bereichen Biathlon und Skilanglauf die Dienste einer Blutbank in Wien in Anspruch genommen haben sollen. ARD-Moderator Michael Antwerpes sagte am Donnerstag vor der Übertragung des Biathlon-Wettbewerbs in Antholz: „Es ist nicht vertretbar und mit unserer Berufsauffassung nicht vereinbar, wenn solche Pauschalverdächtigungen erhoben werden, ohne dafür belegbare und nachprüfbare Fakten zu haben.“

Jetzt muss die ARD-Dopingredaktion, angeführt von WDR-Sportchef Steffen Simon, Flagge zeigen; allen voran muss Hajo Seppelt, Urheber der umstrittenen Meldung, die vorschnelle Bekanntgabe einer längst nicht abgeschlossenen Recherche quasi ungeschehen machen, indem er seine Dopingvorwürfe für einzelne Sportler belegt. Also recherchiert Seppelt in Wien weiter, wie der WDR bestätigte.

Der Journalist wird in der ARD zudem kritisiert, weil er die „Tagesschau“-Meldung offensichtlich weitgehend eigenmächtig an die Agenturen schickte, die sie dann – wie dpa – überspitzt verbreiteten. Seppelt hatte die Mitteilung laut mehrerer ARD-Verantwortlicher mit keiner Pressestelle des Senderverbunds abgestimmt, meldet epd, und über seine private E-Mail-Adresse verschickt. Grundlage war das Manuskript der „Tagesschau“Meldung. Der WDR sprach von „einer Panne, die sich nicht wiederholen darf“.

Bei ARD-aktuell in Hamburg, dessen Vorzeigeprodukt „Tagesschau“ am Dienstag die Doping-Nachricht zuerst ausgesendet hatte, wollen sie an der Richtigkeit des Vorgehens nicht rütteln lassen. Danach wird an der unter anderem vom Deutschen Ski-Verband kritisierten Meldung festgehalten, in der deutsche Wintersportler des Blutdopings verdächtigt wurden. „Tagesschau“-Chefredakteur Kai Gniffke sagte am Freitag, die Nachricht sei „korrekt formuliert“. Außerdem sei ihm „weder ARD-interne noch -externe Kritik an unserer Arbeit bekannt“.

Das aktuelle Dilemma steht in einem größeren Zusammenhang. Die ARD ist, wie natürlich auch das ZDF, Partner des Sports. Mit erheblichen Gebührensummen werden Verträge mit den Verbänden geschlossen, auf dass die Ereignisse, und das sind Biathlon-Wettbewerbe mittlerweile, live und in aller Ausführlichkeit übertragen werden können. Das geschieht mit hohem Aufwand und zum Nutzen der Sport-Sponsoren, der Athleten und der Fernsehzuschauer. Die Begleitmusik während dieser Übertragungen ist enthusiastisch. Kommentatoren, Moderatoren und Reporter jubeln wie die Fans. Michael Antwerpes jubelt auch gerne.

Und dann ist da die ARD-Dopingredaktion. Ein Haufen sinistrer Spielverderber, die den schönen Sport und seine Helden mit unlauteren Mitteln in Verbindung bringen? Die Gründung der Redaktion war eine Reaktion auf das Versagen der ARD und ihrer Mitarbeiter bei der Tour de France vor wenigen Jahren. Da war das Erste Sponsor des Teams Telekom, von einer Distanz zwischen den Sportlern und den Reportern war nichts zu sehen und nichts zu hören; später kam der Vertrag mit Radstar Jan Ullrich ans Tageslicht. Die Tour-Berichterstattung geriet zum Sündenfall für das publizistische Unternehmen ARD.

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