Medien : Das Freundschaftsspiel

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Die Beziehung von Günter Netzer und Gerhard Delling hat die Qualität einer guten LangzeitEhe: Sie sind einerseits eingespielt, andererseits sind noch Verführungsmomente drin. Ich meine das nicht im erotischen, sondern im sportlichen Sinn. Sie konkurrieren um Schlagfertigkeit. Man könnte es kompetitive Erotik nennen: Die wetteifern miteinander, wer kriegt wen?

Und immer ist es Delling, der mit den Frechheiten anfängt. Er freut sich, wenn er Netzer zum Stottern bringt. Netzer passt das erst nicht, er wehrt sich, freut sich dann aber auch, wenn er kontern kann.

Netzer und Delling spielen das Generationenspiel sehr interessant: Netzer den Erfahrungspart, Delling den Kessen. Wenn die beiden ein heterosexuelles Paar wären, wäre es ein älterer Mann mit einer jüngeren Frau, die ihn frisch hält. Aber die Beziehung hat nichts Schwules, überhaupt nicht, es ist ein reines Freundschaftsspiel. Delling ist der Zündler. So wie die junge Frau den älteren Partner zum Sport bringt, damit er ein bisschen läuft, weil es gut für ihn ist; so lockt er aus Netzer ein Potenzial heraus, was er von sich aus nicht ins Spiel brächte: seinen Witz. Netzer bietet von sich aus keinen Humor an. Delling kitzelt es aus ihm heraus.

Deshalb bringt die Paarung auch für Netzer ein Plus. Das ist ein wichtiger Aspekt von Liebe, wenn der Partner eine Seite an einem zum Glänzen bringt, die man alleine nicht so glänzen lassen könnte.

Und die Beziehung der beiden hat nichts Zwangswitziges. Es gibt lange Passagen ohne dieses Gefrotzel.

Natürlich sind die beiden ein Paar für die Bühne. Aber man merkt ihnen an, dass die sich auch sonst etwas zu sagen haben: eine Innenresonanz haben. Sie spielen mit den Gesprächsebenen, verlassen die Inhaltsebene und gehen auf die Beziehungsebene. Wenn keine Sympathie, kein Reiz füreinander da ist, kriegt man das so nicht hin.

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