Medien : Das getarnte Alphamännchen

Johannes B. Kerner bei „Gregor Gysi trifft Zeitgenossen“

Britta Richter

Am Ende kam sie dann doch noch, Gysis „unangenehme“ Frage nach Kerners Werbeauftritt für den Börsengang von Air Berlin, für den der Fernsehmoderator kritisiert worden war. Zu Gast bei „Gregor Gysi trifft Zeitgenossen“, am Sonntag im Deutschen Theater, gestand Johannes B. Kerner: „Ich muss überlegen, ob ich das meiner öffentlichen Person entgegengebrachte Vertrauen instrumentalisiert habe für ein Produkt, das natürliches Misstrauen braucht.“ Zu einer endgültigen Entscheidung werde er erst kommen, wenn die „emotionale Phase“ vorüber sei. Die juristischen Grenzen des ZDF, für das Kerner vier Mal in der Woche mit seiner Infotainment-Show „Johannes B. Kerner“ talkt, seien aber eingehalten worden, sagte er.

Es war ein unterhaltsamer Schlagabtausch, den sich der gewandte Talker Kerner und der geistreiche Rhetoriker Gysi lieferten. Der Linkspolitiker machte keinen Hehl daraus, dass er sich auch erhoffe, sich „ein bisschen Profession“ abschauen zu können vom großen ZDF-Kollegen. Gysis Talkshow „Gysi und Späth“ war Anfang 2003 wegen „zu starker Polarisierung“ vom Mitteldeutschen Rundfunk nach nur drei Sendungen eingestellt worden. Etwas, was dem laut Gysi drittliebsten Moderator nach Günther Jauch und Thomas Gottschalk, nicht droht. Mit Marktanteilen um die 20 Prozent soll Kerners Vertrag mit dem ZDF erst einmal bis 2009 verlängert werden.

Ohne Kritik ist dessen Moderationsstil indes auch nicht geblieben. Gysi erinnerte Kerner an den immer wieder vorgebrachten Vorwurf, er setze in seiner Moderation eher auf Harmonie und Ruhe als auf konfrontative Gesprächsführung. Doch das mag neben aller Tendenz zum Friedlichen auch Kalkül sein. Kerners Auftreten im gut besuchten Deutschen Theater verströmte jedenfalls – trotz seines etwas zu oft wiederholten Bekenntnisses „Ich habe nichts zu verbergen“ – den Kuschelfaktor eines getarnten Alphamännchens.

Wo Gysi während des zweistündigen Gesprächs gerne mal eindeutig Position bezog oder mit offenherzigen Anekdoten aus seinem Leben weniger den Moderatoren als den verbalen Spielgefährten gab, blieb die Privatperson Kerner bei allen biografischen Rückgriffen weiter im professionell geformten Medienbild. Vielleicht macht das seinen Wert aus. Vielleicht ist er aber auch tatsächlich der nette Nachttalker und Moderator bei Sportübertragungen, der für sich „aus seiner Bekanntheit keine Bedeutung ableitet“.

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