Das gibt's nur im Osten : Charmante Eselei

"Kesslers Expedition" mit Tier und Mensch. Ein Comedian und ein Wallach laufen Richtung Ostsee.

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Durchs Brandenburger Tor und dann immer Richtung Norden. Michael Kessler und Wallach Elias kennen den Weg. Foto: RBB
Durchs Brandenburger Tor und dann immer Richtung Norden. Michael Kessler und Wallach Elias kennen den Weg.Foto: RBB

Jetzt also mit Esel. Für seine jüngste „Expedition“ im RBB-Auftrag hat Michael Kessler Elias mitgenommen. Der ist Wallach, trägt Kesslers Gepäck, gemeinsam wollen sie die 220 Kilometer vom RBB-Fernsehzentrum an der Masurenallee nach Ahlbeck an der Ostseeküste laufen (wenn dieses Verb für einen Esel stimmt). Die angehäuften Begegnungen, Erlebnisse und Abenteuer reichen für vier Folgen „Kesslers Expedition“. Das Format ist schon einmal erprobt worden, im Sommer 2010 paddelte sich der Schauspieler und Comedian durch die Region. Mit einem Esel ist schwer rudern, also werden Schorfheide und Uckermark auf sechs Beinen durchquert. Wer einen Esel dabei hat, erlebt mehr und anderes als ohne Esel. Insofern hat der eloquente und spaßige Kessler in Elias einen ernsthaften Konkurrenten bei der Zuschauergunst. Mal macht der Esel, was der Esel will, mal macht Kessler selbiges, zuweilen begehen beide zusammen eine gehörige Eselei.

Das passiert, auch dank der unternehmungslustigen Kamera, oft und unverhofft. Das ungleiche Paar sieht typische und untypische Landschaften, erlebt typische und untypische Leute. Mag auch manche Begegnung und manches Abenteuer in Wirklichkeit arrangiert und gestellt sein, „Kesslers Expedition“ sucht nicht qualvoll das Besondere, dafür das Besondere im Allgemeinen. Und mit einem Esel an der Seite wird alles besonders (wenn nicht absonderlich). Die Zweierbeziehung wächst, bald spricht Kessler mehr mit und über seinen Esel als mit anderen Lebewesen.

In der Abschlussfolge hat Elias erst einmal genug vom gemeinsamen Wandern. Er bricht aus seinem Nachtlager aus, bringt Unruhe in das beschauliche Städtchen Torgelow in Mecklenburg-Vorpommern und Michael Kessler vor die alles entscheidende Frage: Erreichen Elias und Michael wirklich den Strand von Usedom oder scheitern sie auf den letzten Metern?

Natürlich ist die Frage erlaubt, ob ein Mensch mit einem Esel vor und für Fernsehkameras durch die Landschaft wandern muss. Kann er und muss er sogar, wenn der Auftraggeber das Fernsehen des Rundfunks Berlin-Brandenburg ist. Nirgendwo wird mit nicht enden wollenden Zoogeschichten die Beziehung zwischen den Kreaturen mehr vermenschlicht und der Tierpfleger als idealtypische Existenzform verherrlicht. Insofern ist „Kesslers Expedition“ wohltuend anders, nachgerade normal.

„Kesslers Expedition“, RBB-Fernsehen, vier Folgen, montags, 21 Uhr

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