Medien : Das hat richtig wehgetan

Matthias Kalle

Die große Fußball-WM-Show. ZDF. Bevor es ums Fernsehen geht, ganz kurz zur Zeitung: Bei einer Zeitung finden jeden Tag Konferenzen statt, darin werden die Themen besprochen, die in der Zeitung stattfinden sollen. In den Konferenzen sitzen Profis, die wissen, was sie tun. Gute Themen schaffen es in die Zeitung, schlechte fliegen raus. Das muss man auch so machen, sonst wendet sich der Leser ab und Kollegen von anderen Zeitungen, die in anderen Konferenzen sitzen, lachen sich kaputt. Ja – so geht es zu, und bis Donnerstagabend stand eigentlich fest, dass diese Vorgehensweise für den Journalismus generell gilt, doch dann bewies „Die große Fußball-WM-Show“, dass das ZDF die Themenkonferenzen abgeschafft hat.

Anders ist es jedenfalls nicht zu erklären, dass diese Frechheit gesendet werden konnte – ein Redakteur hat wohl in einem Kalender entdeckt, dass eine Fußballweltmeisterschaft stattfindet, und im Alleingang beschlossen, eine Sendung über die Fußballweltmeisterschaft zu machen. Und er muss es vor vier Tagen beschlossen haben, so sah die Sendung jedenfalls aus: Es moderierte, wir sind ja im ZDF, Johannes B. Kerner, der einem wirklich keine Chance mehr gibt irgendetwas Gutes an ihm zu finden. Kerner erfand auch eine neue, seltsame Form des „product placement“, er nannte den Namen der Sendung, die er gerade moderierte, ungefähr achtmal.

Vielleicht war er auch euphorisiert vom Studiopublikum, das schon im Jubeltaumel verging, wenn ein Gast unverletzt die Treppen hinunter kam (es schafften übrigens alle – bis auf Goleo, der nicht nur keine Hose hat, sondern scheinbar auch einen schlimmen Hüftschaden). Tja. Die Gäste. Selbst ein Überallhingeher wie Ingolf Lück fühlte sich deplatziert – wie muss es da erst Renate Künast ergangen sein. Völlig schmerzbefreit dagegen Lothar Matthäus, Toni Schumacher (den man jetzt immer wieder mit diesem Jürgen aus dem Big-Brother-Haus verwechselt), Paul Breitner, Dieter Kürten, Oliver Pocher und noch einige andere, deren Namen man eine halbe Stunde später schon vergessen hat, die aber wohl irgendwas mit Fußball zu tun hatten oder haben. Und dann war da noch Helmut Kohl, bei dessen Auftritten es wie ein Wunder scheint, dass dieser Mann einmal das Land regiert hat. Es gab sogar eine Showeinlage in der „Großen Fußball-WM-Show“: Franz Lambert (wer kennt ihn nicht?) dudelte eine Minute auf einer Orgel. Warum er das tat, blieb ungeklärt.

Am Ende, nach fast zwei peinigenden, unerträglichen Stunden, wurde eine Videobotschaft von Jürgen Klinsmann eingespielt und wenn er da erklärt hätte, er bliebe allein schon wegen des Fernsehprogramms lieber in den USA – jeder hätte ihn endlich verstanden. Aber er sagte, ohne zu ahnen, in was für einer Sendung er da gerade auftritt: „Da kommt einem die Gänsehaut hoch.“

Es ist in Wahrheit alles noch viel schlimmer. Und wenn das ZDF irgendetwas für den deutschen Fußball tun will, dann sollte es schleunigst wieder Konferenzen einführen.

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