Medien : Das ist’n dickes Ei!

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DAS SPIEL IST AUS!

Ein großer und wahrer Satz: „Man sieht nur, was man weiß.“ Von Goethe soll er sein, und es ist eine Warnung, sich nur nicht mit dem bloßen Augenschein zu begnügen; sich zu bilden, um hinter die Dinge zu blicken. Der Dichter hatte leicht reden. Zu seiner Zeit hat einen die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ noch nicht verwirrt.

Es war dort zu lesen, bei den Live-Übertragungen aus Japan und Korea sei das Bild mangelhaft. Das Bild? Waren es nicht eher die Spiele, denen es an Brillanz mangelte? Doch die „FAZ“ hat genau hingeschaut: „Der Ball wird oval, zittert, ruckelt durch die Luft.“ Das liege an der Umwandlung von der NTSC- Norm in das bei uns gebräuchliche PAL-System. Je härter einer schießt, je behänder er übern Rasen flitzt, desto mehr ruckelt’s und zittert’s, desto unrunder…

Der neue WM-Ball, übrigens, heißt Fevernova. Die „SZ“ fand einige Zeugen, die dieses Sportgerät von Adidas „flattrig“ (Zlatko Zahovic, Slowenien) finden und „häufig unkontrollierbar“ (Ruslan Nigmatullin, Russland). Diesen Aussagen hat der Hersteller vehement widersprochen, ja, „der Anschein des Flatterns kommt vom neuen Design“. Der Ball ist bunt.

Nun ist diese Weltmeisterschaft nicht mehr, was sie einmal war. Während Kollegen die Schusshaltung von Rivaldo analysieren, rede ich von „Macken der Konvertierung“. Wenn Erregung über die rote Karte für Totti aufkommt, maule ich über „Probleme der Interpolation“, fasele etwas von „50 Halbbildern pro Sekunde“. Es gibt keine arglose Freude mehr am Fußball aus Asien.

Wie mag das heute werden, wenn sich die USA und Deutschland treffen und wir von den Tücken der TV-Technik wissen? Flattert Kahn? Ruckelt Klose? Zittert Ballack?

Schauen Sie bitte genau hin. Da… – ein Hammer von Hamann, „das runde Leder“ (Kurt Brumme) verformt sich und wird oval und immer ovaler, es wird… ein Ei! Es ist American Football, was sie dort in Ulsan spielen. Norbert Thomma

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