Medien : Das junge Paar in der unentschiedenen Phase

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Zwischen Beckenbauer und Poschmann läuft es noch etwas unrund. Die beiden sind noch nicht synchronisiert. Sie sind wie ein junges Paar in der unentschiedenen Phase, ob sie überhaupt ein Paar werden. Sie haben sich noch nicht. Und das Komische ist, obwohl die sich noch nicht haben, ist ihre Beziehung dramaturgisch gesehen spannungsärmer als die von Netzer und Delling.

Poschmann bemüht sich um Beckenbauer: Er möchte ihm gute, schöne Vorlagen geben; Vorlagen, über die Beckenbauer keinesfalls stolpert. Er interviewt von unten nach oben. Sagen wir es so: Poschmann fragt, Delling fordert.

Und Beckenbauer benutzt Poschmann nur als Stichwortgeber. Er spielt nichts zurück. Er nimmt Poschmann in seiner Analyse höchstens leutselig unter die Fittiche: So ist das! Beckenbauer analysiert so, dass der Unterschied zum Fragesteller kaum noch erkennbar ist. Bei Netzer und Delling bleibt er erhalten. Beckenbauer verdaut Poschmanns Frage in seiner Antwort gleich mit und macht eine gemeinsame Perspektive draus. Deshalb bleibt Poschmann weniger profiliert.

Er kann nichts dafür. Einen Wettstreit um Schlagfertigkeit wie bei dem Paar Netzer – Delling würde Beckenbauer nicht zulassen. Er ist verbal nicht so stark wie Netzer, es würde ihm keinen Spaß machen. Er würde sich nur wundern, da gibt es keinen Resonanzpunkt bei ihm.

Beckenbauer und Poschmann sind sich nicht unsympathisch. Nur findet Beckenbauer Poschmann unspezifisch sympathisch, in dem Sinne, dass Beckenbauer tendenziell alle Menschen sympathisch findet. Das ist Beckenbauers ganz großes Talent: Sympathie und Gegensympathie zu erzeugen. Deshalb hat er diese vielen Präsidentenämter und ist ein idealer Werbeträger. Beckenbauer ist habituell gutartig. Der braucht sich nicht verstellen, der ist so. Nur interessiert sich Beckenbauer nicht wirklich für die Person Poschmann. Er hat Poschmann nicht gewählt. Und wenn man Poschmann durch einen anderen ersetzen würde, würde Beckenbauer nichts anders sagen. Psychologen nennen es übersummativ, wenn das Paar mehr ist als die beiden Einzelpersonen zusammen. Das Paar Beckenbauer und Poschmann ist das nicht. Deshalb hat die Beziehung wenig Entwicklungspotenzial. Was mir körpersprachlich auffällt: Poschmann verdreht oft seinen Oberkörper hin zu Beckenbauer. Das ist ein Ausdruck dafür, dass kein Gleichheitsgefühl da ist.

Ich glaube, eine Frau könnte es schaffen, Beckenbauer aus seinen Routinen herauszulocken, sie könnte eine Irritation schaffen. Aber da würden die vom ZDF wahrscheinlich denken: Lass mal. Frauen und Fußball, das ist ja heikel. Aber wenn man es vom Unterhaltungswert der Paardynamik her sieht, wäre es die interessanteste Lösung.

Protokolle: Barbara Nolte

Ulrich Clement ist Professor für Medizinische Psychologie an der Universität Heidelberg. Er ist Spezialist für Paartherapie.

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