Medien : Das „Jungsheft“ oder wie Porno für Frauen geht

Yoko Rückerl

Der junge Mann im Bett hat sich „nackisch“ gemacht. Mit verklärtem Blick schaut er uns an. Er könnte der Kollege sein, der Nachbar, der Kerl aus dem Bioladen. Nur an ein Model denkt man bei den unbearbeiteten Fotos nicht. Sie gehören in das „Jungsheft“, einem „Pornomagazin für Mädchen“. Sehr ästhetisch und gar nicht schmutzig sei das „Jungsheft“, sagt Jessica Schwarz im Interview mit dem „Zeitmagazin“. Besonders ist, dass die Fotos der nackten Männer wie spontan fotografiert wirken. „Als wäre es der Freund, der eben noch neben einem lag“, sagt Elke Kuhlen. Gemeinsam mit Nicole Rüdiger entwickelte sie das Magazin. Geld bekommt keiner der Fotografierten. „Das sind Freunde von Freunden, wir fotografieren bei denen zu Hause, ohne besonderes Licht, ohne Make-up“, sagt Kuhlen. Auch sonst kommt das Heft frisch und witzig daher, mit einer Prise Ironie. Wenn Männer ihre Lieblingsstellungen verraten, machen sie das mit einem frechen Augenzwinkern, nicht so ernsthaft verkrampft wie in manch einer Frauenzeitschrift. Es gibt „rosafarbene Schwanzposter zur Wanddekoration“, Interviews mit Musikern wie „International Pony“ oder Artikel über missglückte „Lick Jobs“. Auch die Moderatorin Charlotte Roche hat schon für „Jungsheft“ geschrieben.

Für das Layout und den Internetauftritt sind Freunde zuständig, die fertigen Hefte werden von Kuhlen und Rüdiger per Hand eingetütet und verschickt. Noch erscheint das „Jungsheft“ halbjährlich, die Auflage liegt bei 1500 Stück, für sechs Euro kann es im Internet bestellt werden. Auch Homosexuelle bestellen sich das Magazin. „Von zehn Heften gehen drei an Männer“, sagt Kuhlen.

Wie kamen die Konzertbookerin Kuhlerin und die Marketingassistentin Rüdiger darauf, in Köln ein sexy Magazin für Frauen zu gründen? „Wann sieht man schon mal normale Jungs nackt?“ Wenn, dann sähen die aus wie die Chippendales, meint Kuhlen. Und in Frauenzeitschriften gehe es immer um die ewig gleichen Make-up, Figur- und Klamottentipps.

Pärchen beim Sex sucht man in „Jungsheft“ vergeblich, dafür werden Erektionen gezeigt, die die 45 Grad deutlich überschreiten. Deshalb mussten die Gründerinnen ihr Heft auch mit dem Zusatz „Porno“ versehen – so will es der Gesetzgeber.Yoko Rückerl

www.jungsheft.de

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