Medien : Das Kamel in der Kunsthalle

Hendrik Feindt

Wie bringt man Kunst ins Fernsehen? Der Dokumentarfilmer Ben Lewis lässt Tiere aus dem Londoner Zoo durch die Räume der Tate Modern stolzieren. Das hat schon einmal funktioniert, als der Belgier Marcel Broodthaers vor dreißig Jahren ein Kamel durch die Hallen des Brüsseler Kunstpalastes führen ließ. Diesmal also Ben Lewis. Sein Auftrag von der BBC: die so genannten Top-Stars der Kunstszene vorzustellen. „Art Safari“ heißt das Ergebnis seiner Jagd, die nun in einer Staffel von sieben Folgen am Samstagabend auf Arte zu sehen ist.

Lewis präsentiert in seiner Safari die Ahnen seiner Kunstauffassung – vorzugsweise die Heroen der sechziger Jahre (Warhol, Lichtenstein und Beuys), der klassischen Avantgarde (Duchamp) und der Renaissance. Sie sind das ideelle Rüstzeug, mit dem er sich auf seine Recherchen und Reisen begibt. Materiell sind es die Transportmittel Flugzeug und Taxi, in denen er und sein Kamerateam den Terminplänen der vielgefragten Protagonisten seiner Reihe hinterhetzen. Und ein Mikrofon, das er den Künstlern auf dem Weg zu ihren Galeristen, Kuratoren und Sammlern vor den Mund hält.

Gelegentlich kommen da noch Altbestände klassischer Kunstbetrachtung auf das Band. „Was mag das bedeuten?“ hört man immer wieder den Dokumentaristen fragen – eine Frage, auf die sich kein Sammler und auch nicht das Fußvolk des Kunstkonsums, die von Lewis interviewten Ausstellungsbesucher, einlassen will. Der Unterschied zwischen Kunst und anderen kommerziellen Aktivitäten ist eben lange schon eingeebnet. Diese Botschaft ist wohl die eindrücklichste der ganzen Sendereihe. Dass am Ende ein schaler Nachgeschmack bleibt, ist wohl die Eigenart aller Jagderlebnisse. Ist einmal das Objekt der Begierde gestellt, erscheint häufig aller Spaß und Eifer verpufft. So weit läßt es aber ein Großteil der von Lewis aufgesuchten Künstler erst gar nicht kommen.

„Art Safari“; Arte, samstags um 20 Uhr 15

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