Medien : Das Klecks-TV

Am Montag startet der neue Kindersender „Nick“

Monika Herrmann-Schiel

Viele enttäuschte Kinder hinterließ Nickelodeon, als der Sender am 31. Mai 1998 seinen Betrieb einstellte. Jetzt meldet sich der Untreue am 12. September zurück. Modisch knapp nennt er sich „Nick“, und sein Logo ist ein Klecks aus trendigem Orange. „Der Splat bedeutet, dass unser Programm wie der Alltag der Kinder ist: Auch bei Nick geht nicht immer alles geordnet zu, auch hier gibt es mal Kleckse“, wirbt Programmdirektor Markus Andorfer.

„Nick“ bedeutet im Englischen so viel wie Einschnitt oder Kerbe. Die müssen die „Nick“-Macher tief schlagen, wenn sie ihr Ziel erreichen wollen. „Wir gehen von einem Marktanteil von fünf Prozent in der Zielgruppe der Drei- bis 13-Jährigen und von zehn für 2007 aus“, sagt Markus Andorfer. In drei Jahren wolle der Sender schwarze Zahlen schreiben. Auf dem hart umkämpften deutschen Kinder-Fernsehmarkt ist das alles andere als leicht. Immerhin gibt es für die unter 14-Jährigen bereits jetzt über 300 Stunden spezielles Kinderprogramm. Dieses Angebot erhöht sich mit dem Start des Senders um rund 44 Prozent.

„Nick“, das ist amerikanisches Kinderfernsehen, das ins Deutsche übersetzt wird. Die Spiel- und Wissensserie „Dora“ im Vorschulangebot überzeugt durch klare Bildkonzepte und spielerische Wissensvermittlung. Mit „Dora“ erlebt man kleine Abenteuer und lernt Farben und Formen unterscheiden, zählen und rechnen und zusätzlich in jeder Folge ein neues englisches Wort.

Von zwölf Uhr an werben alte Bekannte wie die „Rugrats“, „Sponge Bob“, „Jimmy Neutron“ und andere um die Schulkinder. Hier liegt eines der Probleme dieses Neustarts. Super RTL und der öffentlich-rechtliche Kika haben nach 1998 etliche Nickelodeon-Serien gekauft und sich die Ausstrahlungsrechte in lang laufenden Verträgen gesichert. Das führt zu Parallelausstrahlungen, was eine Profilierung erschwert. So wird man „Sponge Bob“ gleichzeitig auf Super RTL und auf Nick sehen können. Das ändert sich erst in einigen Jahren. „Ein Großteil der Lizenzen läuft 2008 aus“, gesteht Markus Andorfer ein, bleibt aber optimistisch: „Super RTL und Kika decken zwar einen Großteil der Bedürfnisse ab, wir sind jedoch überzeugt, dass noch genügen Platz für einen weiteren Anbieter da ist.“ Nick biete auf der einen Seite ausgewählte, pädagogisch wertvolle und die Fantasie anregende Formate, die jedoch im Unterschied zu anderen ohne erhobenen Zeigefinger auskämen. Dieser Seitenhieb ist unverständlich, denn die Schulmeisterei gehört im deutschen Kinder-TV der Vergangenheit an.

Stolz ist man bei Nick auf den „Forscherexpress“ mit Bestsellerautor Thomas Brezina, der einmal die Woche Neugierige bedient. Um Teenagerthemen wie Schultratsch und erste Liebe geht es in den Serien ab 20 Uhr. Zwei davon locken mit prominenten Namen: In „Unfabulous“ agiert Jamie Spears, Britneys jüngere Schwester, und in der Schulgeschichte „Zeoy 101“ Julia Roberts’ Nichte Emma . Weitere Beziehungskomödien wie „Girlfriends“ und Sitcoms aus England laufen nach 21 Uhr 15. Als Familienprogramm deklariert, dürften sie aber eher Teens ansprechen, die lieber ohne Eltern vor dem Fernseher sitzen.

Der Sender finanziert sich durch Werbung, deshalb trifft der Start den privaten Konkurrenten Super RTL besonders hart. Die Kölner müssen fürchten, Werbekunden zu verlieren. S-RTL Programmdirektor Carsten Göttel setzt auf inhaltliches Engagement, um die Quoten zu halten: „Wir werden verstärkt Themen besetzen. So wie wir uns mit ,Lazy Town‘ um Bewegung und Ernährung kümmern, bedienen wir mit ,Finger Tips‘, ,Art Attack‘ und ,Wow – die Entdeckerzone‘ Wissen und Neugier.“ Kika- Programmgeschäftsführer Frank Beckmann ist in dieser Lage froh, dass er „ganz auf die Qualität“ setzen kann.

Nach eigenen Angaben erreicht Nick von sechs Uhr bis 21 Uhr bis zu 30 Millionen Haushalte. Der Sender aus der Viacom-Familie (MTV, Viva) wird anstelle von MTV2 Pop ausgestrahlt und ist über Satellit und in vielen Kabelnetzen empfangbar.

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