Medien : Das langsame Comeback des Michel F. Friedman talkt wieder im Free-TV – auf N24

Esther Kogelboom

„Das ist ein wichtiger Tag für N24“, heißt es bei N24. Ein wichtiger Tag, weil Michel Friedman ab Donnerstag eine neue Talkshow bei dem Nachrichtensender moderieren wird. „Studio Friedman“ heißt die Sendung, deren Konzept stark an „Vorsicht, Friedman!“ erinnert –ein Format, das von der zärtlichen Beleuchtung bis zum charakteristischen Zweiersessel so gut zu Michel Friedman passte wie sein schokobrauner Nadelstreifenanzug, den der Frischverheiratete gestern zur Präsentation der neuen Sendung trug.

Das sah ungefähr so aus: Michel Friedman steht in dem ProSiebenSat1-Glasbau an der Oberwallstraße in Berlin auf einem flachen Podest. Hinter ihm hängt ein Fernseher, darauf ist Friedman zu sehen, wie er „Studio Friedman“ moderiert. Hinter dem moderierenden Friedman hängt wieder ein Fernseher. Auch darauf ist er zu sehen – wie er moderiert. Der echte Friedman betrachtet seine Abbilder, als sei er ziemlich zufrieden mit dem, was er sieht. Vor ihm stehen die Fotografen in Viererreihen, zum Teil auf Obstsaftkisten. Friedman sagt: „Ich bin schon seit Monaten wieder im Geschäft.“

Friedman war gar nicht so lange raus aus dem Geschäft, noch nicht mal ein Jahr. Im Juni 2003 ist der frühere Vizepräsident des Zentralrates der Juden von allen öffentlichen Ämtern (wozu man irgendwie auch seinen Job beim Hessischen Rundfunk zählen kann) zurückgetreten, nachdem die Sache mit den Betäubungsmitteln und den Frauen aufgeflogen war. Die Geldstrafe in Höhe von 17 400 Euro, zu der er verurteilt worden ist, wird er längst bezahlt haben. Er hat sich mit seiner Freundin Bärbel Schäfer vertragen und sie schließlich geheiratet. Er schreibt eine Kolumne in „News“. Er moderiert für den Pay-TV-Sender 13th Street „Im Zweifel für…Friedmans Talk“. Und jetzt die Show „Studio Friedman“, die von der Produktionsfirma „TV21“ hergestellt wird – eine Firma, die auch „Sabine Christiansen“ produziert. Es ist ein schleichendes Comeback. Oder wahrscheinlich erst der Anfang dessen. Man kann nicht sagen, dass N24 ein wichtiger Fernsehsender ist. Als sicher kann dagegen angenommen werden: Michel Friedman brennt darauf, endlich wieder Politiker zu interviewen. „Das ist es, was ich leidenschaftlich gerne mache“, sagt er. Friedman will die Volksvertreter einkreisen, sie zwingen, Antworten zu geben, er will ganz der Alte sein: „Einen Notausgang bei harten Fragen wird es bei mir nicht geben.“

Zwei bis drei Gäste werden kommen, wer am Donnerstag da sein wird, ist noch offen. Auch Christoph Schlingensief oder Friedrich Christian Flick könne man sich prima als Gäste vorstellen. In der Testsendung sieht man den CDU-Bundestagsabgeordneten und früheren Journalisten Reinhard Grindel. Schon in den ersten dreißig Sekunden des Interviews reden Friedman und Grindel entweder gleichzeitig oder gar nicht. Man spürt den Druck, die unausweichliche Enge, die Friedman erzeugen kann und aushält wie kein anderer seiner Talkshow-Kollegen.

Publikum gibt es nicht, und damit auch keinen Applaus. Friedman und seinen Gast trennt ein Tisch. Der Tisch ist allerdings sehr schmal, ungefähr so wie eine genormte Küchenarbeitsplatte. Es passen gerade vier Ellenbogen und zwei Getränke drauf. Man hat offenbar besonders großen Wert darauf gelegt, dass er fest auf dem Studio-Friedmann-Boden steht. Nach unten werden die Tischbeine breiter.

Über eine Millionen Zuschauer wünscht sich Friedman für seine Sendung. „Das wäre ein Quantensprung für uns“, sagt Torsten Rossmann, der Geschäftsführer, und lächelt dem Moderator zu.Diese beiden Männer brauchen einander. Es ist nicht nur ein wichtiger Tag für N24.

„Studio Friedman“: Donnerstag, 23 Uhr 30, N24

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