Medien : Das Leben ist eine Zusatzzahl

8 oder 18? ARD und ZDF schicken die Lottospieler auf Achterbahnfahrt

Joachim Huber

Schon die Live-Ziehung der Zahlen des deutschen Lottoblocks am Samstag ist für Millionen Tipper der Höhepunkt der Woche. Aber die ARD schaffte es, die Spannung in der seit fast 40 Jahren ausgestrahlten Sendung am 30. Juli nochmals zu steigern. Die Ziehung im Studio des Hessischen Rundfunks ab 19 Uhr 52 glückte, diese Zahlenfolge stellte sich ein: 12 – 19 – 22 – 42 – 43 – 45, Zusatzzahl: 18, Superzahl: 1. Dann aber las „Lottofee“ Franziska Reichenbacher statt der gezogenen Zusatzzahl 18 die Zusatzzahl 8 vor. Freude und Entsetzen bei Millionen Tippern, Aufregung im Hessischen Rundfunk, Ratlosigkeit in der Redaktion der nachfolgenden „Tagesschau“. Unsicher geworden, welche Zusatzzahl denn nun die gültige sei, wurde am Schluss der Nachrichten auf die Einblendung der Zahlen verzichtet. Stattdessen kam die Meldung, dass in Irland eine sechsfache Mutter den Lotterie-Jackpot über 115 Millionen Euro geknackt hat. Wenn das keine – ungewollte – Ironie ist.

Und weil im öffentlich-rechtlichen Rundfunk die Verwirrung gerade riesig ist (Schleichwerbung!), gab es beim „heute journal“ des ZDF gleich das nächste Malheur. Nachrichtensprecherin Barbara Hahlweg verlas zunächst die Gewinnzahlen der Vorwoche. Die waren auch für die Zuschauer eingeblendet. Hahlweg, offensichtlich selber Tipperin, bemerkte den Irrtum: „Äh, ich wusste, weshalb ich ins Stocken geraten bin. Das sind nämlich die falschen Lotto-Zahlen.“ Sie trug dann die korrekten Zahlen vor, ohne dass diese nochmals im Bild zu sehen waren.

Den Grund für die ARD-Panne erklärte Ziehungsleiter Markus Schiebel in der „Bild am Sonntag“: „Der Computer, in den normalerweise die Zahlen eingegeben werden, ist ausgefallen. So mussten die Zahlen ausnahmsweise von der Regie eingegeben werden. Dabei ist offensichtlich der Fehler passiert.“ Franziska Reichenbacher wird mit den Worten zitiert: „Bei der Zusammenfassung am Ende lese ich die Zahlenfolge vom Monitor ab. Dabei bin ich so konzentriert, dass ich mir die Zahlen im Einzelnen nicht merken kann.“ Die Redaktion der „Tagesschau“ in Hamburg konnte während der Sendung von 20 Uhr bis 20 Uhr 15 nicht klären, welche Zusatzzahl die gültige sei, und verzichtete sogleich auf das gesamte Zahlentableau. Motto: Lieber keine Zahlen als die Rufschädigung, die „Tagesschau“ transportiere falsche Informationen.

Rechtlich ist die Lage eindeutig: Richtige Zusatzzahl ist die 18 – ihre Ziehung wird protokolliert und beurkundet. Spätere Eingabe- und Lesefehler sind ohne Bedeutung.

Beide Sender, ARD wie ZDF, sind schon in der Vergangenheit nicht von Pannen verschont geblieben. Beim ZDF, zuständig für das Mittwochslotto, musste im Juli 2002 wegen eines Defektes an der Lotto-Trommel die Ausspielung unterbrochen werden. Nach der Ziehung der ersten drei Zahlen war die Maschine, deren intakter Zustand wie stets vor der Ziehung überprüft worden war, kaputtgegangen. Mit einem Ersatzgerät wurde die Ausspielung unter den strengen Augen der zuständigen Beamten fortgesetzt, die Zahlen wurden dann verspätet bekannt gegeben. Wie das ZDF später berichtete, sei es schon einmal passiert, dass eine Maschine während der Lottoziehung gestreikt habe.

Noch schlimmer erwischte es die ARD im September 1996. Ausgerechnet bei der Premiere der neugestalteten „Ziehung der Lottozahlen“ blieb eine Kugel stecken, und zwar bei der Ziehung der Gewinnzahlen für die „Super 6“. Die Zuschauer wurden mit der Bemerkung „Keine Panik, kleiner technischer Defekt“ aufgefordert, Ruhe zu bewahren. Die Ziehung wurde für die zweite, ungültige Stelle in der Ziffernfolge wiederholt und für gültig erklärt. Zuschauer protestierten, erfolglos.

Dass Lottospieler die Ermittlung der Gewinnzahlen stets in einem Zustand beträchtlicher Nervosität verfolgen, ist wohl verständlich. Im April 1999 ergab sich bei der Hauptziehung „6 aus 49“ die aparte Kombination 2 – 3 – 4 – 5 – 6 – 26 (Zusatzzahl: 16). Während im „heute journal“ noch von einem „gewissen Charme“ gesprochen wurde, stellte sich später heraus, dass die Gewinnquoten sehr niedrig waren. Nach den Erfahrungen der Lottogesellschaften kreuzen sehr viele Spieler die angeblich unmöglichen Zahlenkombinationen 1 – 2 – 3 – 4 – 5– 6 oder 44 – 45 – 46 – 47 – 48 – 49 an. Im März 1988 war deswegen der Minusrekord zu vermelden, als 22617 Lottospieler je fünf Richtige hatten und dafür nur 515,60 Mark je Erfolgstipp ausbezahlt bekamen.

Und weil das Glücksspiel eine ernste Sache ist, sollte vielleicht darauf hingewiesen werden, dass alle Zahlen in diesem Artikel ohne Gewähr genannt werden.

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