Medien : Das Leben ist schön

„Architectural Digest“ präsentiert „Best of Germany“

Bernhard Schulz

In Gold geprägt prangt das Kürzel „AD“ auf dem Titelblatt. Die Zeitschrift „Architectural Digest“ aus dem in München ansässigen Verlagshaus Condé Nast, der deutschen Tochter des renommierten New Yorker Hauses, verspricht in der Unterzeile „Die schönsten Häuser der Welt“. Zehn Mal im Jahr erscheint die Zeitschrift; zwei Doppelausgaben überbrücken die Ferienzeiten. Der Einzelverkaufspreis liegt mit fünf Euro im eher preisgünstigen Segment – und das, obwohl dem Leser jede Menge Luxus geboten wird. Beim Durchblättern wird deutlich, dass der Verlag nicht vorrangig auf Verkaufserlöse angewiesen ist. Denn Luxus verkauft sich gut, und wer Eigenheim oder Eigentumswohnung gestalten will, findet in der Verzahnung von Anzeigen, Produkthinweisen und Serviceteil jede denkbare Anregung – und den Schlüssel für Konzept und Erfolg des Blattes.

Die Home stories mit Schwerpunkt auf westlichen Metropolen und angesagten Resorts mischt Chefredakteurin Margit J. Mayer zielgruppenspezifisch mit Reportagen aus Deutschland. Und einmal im Jahr und nun bereits in vierter Folge werden unter dem Titel „Best auf Germany“ nicht weniger als „unsere 125 Stil-Highlights“ vorgestellt. Insgesamt ist das Oktoberheft hiesigen Themen gewidmet. Das war Anlass genug, die Ausgabe gestern Abend mit einem „Champagner-Empfang“ in den Räumen einer namhaften Galerie der Berliner Auguststraße zu präsentieren.

„Ob exklusives Wohnen, Autos, Uhren, Schmuck, Hotels, Antiquitäten oder aktuelle Kunst: Was AD zeigt, setzt Maßstäbe“, wirbt der Verlag für sein Premium-Produkt. Maßstäbe setzt denn auch das Leserprofil. Das Durchschnittsalter der zu vier Fünfteln berufstätigen und zu drei Fünfteln mit einem Hochschulabschluss gesegneten Leserschaft beträgt zukunftsfreudige 41,2 Jahre. Interessanterweise handelt es sich zu zwei Dritteln um Männer. Das durchschnittliche Haushaltsnettoeinkommen von 2816 Euro mag vergleichsweise hoch sein, verrät aber eher, dass hier durchaus nicht die mit dem goldenen Löffel im Mund geborenen Erben, sondern pragmatische – nach Eigenaussage „anspruchsvolle“ und „markenbewusste“ – Konsumenten Anregungen suchen, die sie vom Glamour der verführerisch schönen Heft-Optik auf ihre eigenen Möglichkeiten herunterbrechen. Mit einer verkauften Auflage von knapp 90000 Exemplaren (IVW-geprüft, 2. Quartal 2005) hält „AD“ die Spitze unter den Wohn- und Einrichtungsmagazinen. Dabei macht der harte Kern der Kiosk- und Aboverkäufe 42000 Exemplare aus.

Dass die Liste der 125 „Deutschen Schätze“ aus „Architektur, Style und Kunst“ mit einem einbruchsicheren Safe beginnt, belegt die leise Ironie, die den Lobpreis des Teuer-Konsums stets angenehm lesenswert macht. So geht’s denn auch bunt weiter, über das „Wiesenthaus im Berliner Zoo“ bis zu den Lampen-Unikaten von Frank Buchwald („Objekt der Begierde“) auf der letzten Seite des 314 Seiten starken Heftes. Man muss das alles nicht kaufen, aber man kann – Adresse und Telefon werden schließlich akkurat mitgeliefert. Und womöglich ist es nicht zuletzt dieses schmeichelhafte Gefühl des konsumentischen Dazugehörens, das AD bei seiner gewiss wählerischen Leserschaft so erfolgreich macht.

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