Medien : Das neue "SZ-Magazin": Immer wieder freitags

Ulrike Simon

"Jeder möchte anders sein. Und so sind wir am Ende wieder alle gleich." So lautet die Unterzeile zu Roger Willemsens Beitrag im heute erscheinenden neu gestalteten "SZ-Magazin". Es wird also nicht eingestellt und geht auch nicht als eigenständige Zeitschrift an den Kiosk, sondern fällt auch künftig jeden Freitag aus der "Süddeutschen Zeitung" heraus. Anders sein zu wollen, das war schon immer das Konzept vom "SZ-Magazin". Es wollte anders sein als gewöhnliche Zeitschriften und gewann damit in schöner Regelmäßigkeit Preise. Es wollte anders schreiben als andere Magazine und lag damit zum Ärger der "SZ" immer mal wieder daneben. Es wollte aber auch immer wieder anders zu sich selbst sein. Was andere Zeitschriften fachmännisch "Relaunch" oder "Neupositionierung" nennen, ist beim "SZ-Magazin" Programm. Es ändert sich halt immer mal wieder etwas bei der Beilage der "SZ". So auch diesmal.

Diesmal gibt es aber einen Umstand, der die Änderungen in besonderem Maß beeinflusst. Kein journalistischer und kein optischer, den es zu verbessern galt, sondern ein finanzieller. Zwar sind Beilagen von Natur aus mit wenigen Anzeigen gesegnet. Wenn ein Blatt jedoch zum Ärger von Süddeutschem Verlag und "Süddeutscher Zeitung" derart für negative Schlagzeilen sorgt wie das "SZ-Magazin" (gefälschte Interviews, die mit "Tote Hose" überschriebene Geschichte über den japanischen Kronprinzen, die Geschichte über den angeblich kranken Prinz Ernst August von Hannover), dann ist so ein Magazin intern angreifbar geworden. Unter dem Vorwand des mangelnden Anzeigenaufkommens sind schon ganz andere Zeitschriften eingestellt worden.

Der Wunsch nach Anzeigen, der Drang, sich bei Werbekunden lieb Kind zu machen, ist dem neuen "SZ-Magazin" anzumerken. Ohne Schlenker, ohne kleinteilige Texte auf den ersten Seiten, kommt das Blatt ganz schnell zur Sache. Und unterstellt man, dass die Macher beim Titelthema an die alte Formel "Sex sells" gedacht haben, liegen sie mit der Geschichte über Frauen in "schwulen Posen" genau richtig. Das gilt auch für den Beitrag über Tipps und Tricks fürs Fremdgehen. Anders sein um jeden Preis, das ist das Motto. Vielleicht bat das "SZ-Magazin" deshalb Thomas Anders, die singende Hälfte an Bohlens Seite, zum Gespräch übers Anderssein. Doch wie Willemsen so schön schreibt - es besteht die Gefahr, dass am Ende wieder alle gleich sind ...

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