Medien : Das Rosen-Prinzip

Die Frau ab 40 braucht eine Telenovela, meint die ARD und sucht die zweite Hälfte des Lebens

Markus Ehrenberg

„Eine glückliche Ehe, ein schönes Haus, erwachsene Töchter: Für Petra ist die Welt in Ordnung – bis ein Seitensprung ihres Mannes ihr Bilderbuchleben von heute auf morgen zerstört. Eine Frau in den besten Jahren steht vor den Trümmern ihrer Existenz. Der Beginn ihres neuen Lebens wird für Petra zu einer weiten Reise zu sich selbst, zu neuer Souveränität und zu ihrer großen Liebe.“ Das ist kein Groschenroman, sondern die ARD-Programmansage zur Telenovela „Rote Rosen“, mit der erstmals das Schicksal einer Frau über 40 ins Rampenlicht des jungen TV-Genres rücken soll.

Zunächst einmal: noch eine Telenovela. Sechs laufen bereits über den Tag verteilt im deutschen Fernsehen (s. Grafik), mit „Sturm der Liebe“ die erfolgreichste bei der ARD. „Rote Rosen“ am frühen Nachmittag soll noch mehr Serien-Interessierte herüberlocken. Die Serie, die nach lateinamerikanischem Vorbild mit einer weiblichen Hauptrolle und abgeschlossener Handlung versehen ist, umfasst 100 Folgen und kostet dem Gebührenzahler zehn Millionen Euro. Das ist planerisch kein Geniestreich von ARD–Programmdirektor Günter Struve, Soap-Junkies aber ziemlich egal, wenn man sich erst mal an Dialoge à la „Weißt du, Kind, die Liebe ist wie eine Sonne, die stets wärmt“ (Mutter), „Aber wolltest du nie das Feuer statt Sonne?“ (Tochter) gewöhnt hat. Das bei einer Midlife-Soap nicht über Hölderlins Gedicht „Hälfte des Lebens“ debattiert wird, ist eh’ klar.

Und natürlich will die attraktive Mitvierzigerin Petra (Angela Roy) zurück zum Feuer. Wie all die anderen Julias, Tessas und Lisas auch, die seit zwei Jahren, seit dem Quoten-Erfolg von „Bianca“ durch die deutsche Telenovela-Landschaft geistern; eben mehr schlecht als recht. RTL kämpft bei „Alles, was zählt“ um bessere Marktanteile in der jüngeren Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen als die gegenwärtigen 14 Prozent. Sat1 hat große Probleme mit seinem Dauerbrenner und einstigen Quotenbringer „Verliebt in Berlin“, der seit dem Ausstieg von Hauptdarstellerin Alexandra Neldel zwei Millionen Zuschauer verloren hat. Gleiches gilt für die neue Serie „Schmetterlinge im Bauch“. Mit dem „Geheimnis meines Vaters“ hat die ARD zuletzt noch versucht, das Herzschmerz-Genre um eine Krimi-Telenovela zu erweitern. Die vorzeitige Absetzung ist eine Frage der Zeit.

Nun also „Rote Rosen“. Vielleicht haben die verantwortlichen Redakteure ja zu viel „Desperate Housewives“ geguckt, fürs deutsche Fernsehen soll es jedenfalls eine ähnliche Zielgruppe richten. In „Rote Rosen“ sind alle Hauptdarsteller über 40. Manch’ Hausfrau wird sich freuen und kurz nach zwei einschalten. Oder Eva Herman lesen. Oder doch mal Hölderlins „Hälfte des Lebens“: „Mit gelben Birnen hänget / Und voll mit wilden Rosen / Das Land in den See / Ihr holden Schwäne….“

„Rote Rosen“, ARD, 14 Uhr 10

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