Das siebte Programm : Berlusconi will mehr Medienmacht

Der italienische Ex-Premier plant, mit seiner Firma Mediaset den Sender La7 zu übernehmen. Journalisten protestieren - ein Anchorman droht sogar mit Rücktritt.

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Italiens Ex-Premier möchte sich mit Mediaset den letzten unabhängigen Sender seines Landes einverleiben.
Italiens Ex-Premier möchte sich mit Mediaset den letzten unabhängigen Sender seines Landes einverleiben.Foto: Reuters

Allein die Nachricht, die das „Telegiornale“ – die „Tagesschau“ Italiens – am Samstagabend verkündete, war eine Überraschung: Silvio Berlusconi will mit seiner Medienholding Mediaset den „Telegiornale“-Sender La7 (Das Siebte) übernehmen. Damit würde Italiens letzter unabhängiger Sender unter die Aufsicht der Firma des Ex-Premiers fallen, Berlusconi könnte seine Medienmacht deutlich ausbauen. Doch die eigentliche Sensation war der Kommentar, der auf die Nachricht folgte: Enrico Mentana, Anchorman von „Telegiornale“, drohte mit seinem Rücktritt, falls Mediaset La7 tatsächlich kaufe.

„Ich habe selbst lange für Mediaset gearbeitet und kann bestätigen, dass dort nicht das Guantanamo des Journalismus ist. Aber ich bin vor dreieinhalb Jahren gegangen, nicht freiwillig, sondern weil ich nicht einsah, warum bestimmte Themen nicht behandelt oder bestimmte Personen nicht interviewt werden durften. Für mich heißt deshalb die persönliche Konsequenz, dass ich zurücktrete, wenn Mediaset La7 kauft“, sagte Mentana und forderte gleichzeitig Italiens Kartellbehörde zum Einschreiten auf.

In Italien sind die großen Kanäle mit Rai entweder in der Hand des Staats oder gehören zu Mediaset. Mit der Übernahme würde Berlusconi nicht nur La7 erwerben, sondern auch MTV, das ebenfalls zur Telecom Italia gehört, die nun verkauft werden soll.

Die Opposition im Parlament ist sich bereits einig, dass der Zukauf durch Mediaset sowohl italienische wie auch EU-Gesetze verletzen würde. Italiens Journalistengewerkschaft warf Berlusconis Nachfolger Mario Monti Versagen vor. Weder eine Reform der staatlichen Rai noch die Frequenzvergabe sei gelungen, monieren die Journalisten.

Vermutet wird jedoch auch, dass das Angebot nur ein Störfeuer sein könnte und es Berlusconi einzig darum gehe, dem kritischen Sender in die Bücher gucken zu können. Andrea Dernbach, Rom

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