Medien : Das Spiel ist aus

Bundesliga-Pay-TV: Premiere verbreitet Zuversicht – Arena beantragt Sendelizenz

M. Ehrenberg[F. Grabowsky],C. Visser

Es wirkte ein bisschen so wie High-Noon in einem Medien-Western, mit dem Titel „Wer überträgt die Fußball-Bundesliga?“ Die beiden Akteure: Bernard de Roos, Generalbevollmächtigter von Arena, und Georg Kofler, Boss vom Premiere. Arena ist jenes bis dahin vollkommen unbekannte Medienunternehmen, das Premiere im vergangenen Dezember die Bundesliga-Rechte im Bezahlfernsehen weggeschnappt hat. Zufall oder Absicht, aber de Roos und Kofler waren gestern beide in der Stadt, um nach dem Poker um die Rechte ihre unterschiedlichen Pay-TV-Konzepte für die Zukunft vorzustellen.

Zunächst Georg Kofler am Nachmittag im Medien Club Berlin Mitte: der Mann, der Premiere im Februar 2002 übernommen und an die Börse gebracht hat. Lange ging es bergauf, die Abonnentenzahlen stiegen auf 3,6 Millionen, vor ein paar Wochen der Crash: Premiere verliert im Bieterverfahren der Deutschen Fußball Liga (DFL) die Pay-TV-Bundesliga-Rechte an Arena. Eine Niederlage, auch für Kofler. Von Verliererstimmung bei dem Österreicher aber keine Spur. Braun gebrannt, gut gelaunt, Kofler gibt sich noch immer zuversichtlich und siegessicher, dass Premiere nicht aus dem Spiel um die Bundesliga-Rechte raus ist. Alleine schon deswegen, weil der Fußballfan ansonsten ab der nächsten Saison im Media-Markt vor drei verschiedenen Angeboten stünde: ein Telekom-Stand mit DSL-Tarifen für das neue Internet-Fernsehen, ein Premiere-Stand mit Decodern für Kabelfernsehen (Champions League) und dann auch noch die D-Box vom Widerpart Arena (Bundesliga) über Satellit. „Wofür soll man sein Geld ausgeben? Was stelle ich mir zu Hause hin? Wer kann das wollen?“

Die neue Unübersichtlichkeit in Sachen Pay-TV also. Kofler kündigte schon einmal an, dass Premiere daran nicht schuld sein wolle und dass man im Fall des Scheiterns von Verhandlungen mit Arena durchaus „kleinere Brötchen“ backen könnte. Experten rechnen für die kommende Saison allerdings mit Abo-Einbußen von bis zu 20 Prozent, wenn Premiere keine Bundesliga mehr zeigt. Verhindern sollen das laut Kofler neue, exklusive Programme, Top-US-Serien wie „Desperate Housewives“.

Dass Premiere die Bundesliga noch nicht aufgegeben hat, sollte offenbar auch eine prestigeträchtige Personalie zeigen. Passend zu Koflers Auftritt in Berlin gab Premiere gestern bekannt, dass Marcel Reif seinen Vertrag bis 2008 verlängert hat. Reif soll über die Bundesliga, Champions League und die WM berichten. Der Grimme-Preisträger zeigte sich über den Abschluss mit Premiere zufrieden. „Das ist der Sender, bei dem ich mich wohlfühle, bei dem die Leute professionell arbeiten. Ich habe nicht das Gefühl, dass mein Sender zu den Losern gehört.“ Aber ob ein Kommentator vom Kaliber Marcel Reif damit zufrieden sein wird, einmal monatlich Champions League zu kommentieren, keine Bundesliga mehr? Reif glaubt nicht, „ dass dieser Fall eintritt“.

Und Arena? Die Premiere-Konkurrenz plant ihre Bundesliga für die nächste Saison. Am Montag beantragte das Tochterunternehmen der Kabelfernsehfirma Unity Media bei der nordrhein-westfälischen Landesanstalt für Medien (LfM) eine Sendelizenz. Arena will damit Rechte für ein bundesweites, digitales Sparten-TV-Programm bekommen. Und zwar für zehn Jahre. Premiere wäre damit endgültig aus dem Rennen um die Bundesliga. Eine LfM-Sprecherin hatte erklärt, man sehe keine zwingenden rundfunkrechtlichen Vorschriften, die einer Lizenzerteilung entgegenstünden.

Wie so ein Sender konkret aussehen soll, wollte Arena-Chef Bernard de Roos am Abend bei einer Veranstaltung der Kabelfirma Tele Columbus dann doch noch nicht verraten, nur ein paar schwammige Ankündigungen zum Pay-TV bei Arena: ein Abo unter 20 Euro, auf jeden Fall billiger als Premiere, Entwicklung einer eigenen Bildsprache. Details erst im März. Koflers Hoffnungen erteilte de Roos aber eine klare Absage: „Sollte Arena keine Sendelizenz bekommen, gibt es Plan B. Das heißt aber: nichts mit Premiere.“ Noch bleibt jedoch unklar, wie Arena aus dem Stand die Qualität und flächendeckende Verbreitung der Premiere-Berichterstattung erreichen will. Branchenkenner trauen de Roos nicht allzu viel zu. Schlimmstenfalls könnte Arena die Bundesliga im Pay-TV an die Wand fahren, ähnlich wie vor Jahren der Ex-Frauensender TM3 die Champions League.

So gesehen könnte Georg Kofler aus dem „Deal des Jahrhunderts“ doch noch als Gewinner hervorgehen – falls Arena mit der großen Fußball-Show patzt. Und wenn dem Pay-TV-Sender bis dahin nicht die Luft ausgeht, die Abonnenten abspringen. Die Zukunft von Premiere? Kofler sagt: „Es gab schon geeignetere Momente für diese Frage.“

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