Medien : Das Unbehagen an der Tour

M. Ehrenberg

Sportschau – ARD, Samstag, 18 Uhr 10. Die ARD und das Thema Doping im Radsport, darüber wurde viel geschrieben und geschimpft in den vergangenen Jahren. Zu vordergründig, zu ergebnisverliebt, zu sehr auf Heldensuche die Berichterstattung, vor allem bei der Tour de France. Der Doping-Report oft nur als Feigenblatt bei einer zuschauer- und werbeträchtigen Sportart, und als vor ein paar Wochen der ARD-Reporter und Doping-Experte Hajo Seppelt kaltgestellt zu werden schien, war vielen klar: Die lernen es nie. Die versenden noch den unsaubersten Sport. Das gilt auch fürs ZDF.

Umso erfreulicher, dass das Erste die Zeichen der Zeit offenbar erkannt hat. Gute 20 Minuten räumte es in seiner halbstündigen Samstags-„Sportschau“ für Doping-Stories rund um den Fall Landis frei. Man traute seinen Ohren kaum: Eifriger Reporter (Michael Antwerpes), Neues zum Betrug bei Urinabnahmen vom Doping-Experten Franke, Fragen an desillusionierte Radsportfans und zum runden Tisch an Rudolf Scharping. Die Ergebnisse des Radrennens vom Tag, der Cyclassics in Hamburg, am Rande, als „Chronistenpflicht“ – als traue der Sender dem nicht mehr, was er da zeigen soll. Viel Hintergründe, für den Fußball-Liga-Pokal blieben fünf Minuten.

Es muss jetzt nicht alles gut sein, was vorher schlecht aussah. Die „Sportschau“ und die Schwerpunkte bei der Cyclassics-Übertragung am Sonntag waren ein Anfang. Beißhemmungen bei Journalisten werden früh genug kommen, wenn die ersten dopingfreien Rennen absolviert, neue Helden geboren sind. Die Sache spitzt sich zu: Wie kann man noch guten Gewissens Radsport übertragen? Nun droht als Nächstes: das Unbehagen an der Tour. Die am Dienstag startende Deutschland-Tour wird für die ARD zum Balanceakt werden.

0 Kommentare

Neuester Kommentar