Medien : „Das wird eine langfristige Verbindung“

Der SPD-Medienexperte Peter Glotz über den Einstieg der parteieigenen Medienholding DDVG bei der „Frankfurter Rundschau“

-

Herr Glotz, die SPDeigene Mediengesellschaft DDVG ist mit 90 Prozent bei der „Frankfurter Rundschau“ eingestiegen, um das Blatt zu retten. Wird die „FR“ jetzt ein SPD-Parteiorgan?

Nein, das sicher nicht. Die DDVG ist eine Holding, die weder Interesse daran noch Ressourcen dafür hat, Einfluss auf die redaktionelle Linie der „FR“ zu nehmen. Natürlich wäre es für die „FR“ grundsätzlich besser gewesen, einen Investor zu finden, der keinem politischen Lager angehört. Aber der war nun einmal nicht da.

Der Kanzler darf in der „FR“ also auch weiterhin kritisiert werden, ohne dass es Ärger gibt?

Selbstverständlich.

Laut Titel ist die „FR“ eine „Unabhängige Tageszeitung“. Die CDU ist da ganz anderer Ansicht. Sie fordert einen eindeutigen Hinweis auf die SPD-Nähe.

Ich schlage vor, dass künftig grundsätzlich die Eigentumsverhältnisse aller Zeitungen kenntlich gemacht werden sollten, als Orientierungshilfe für den Leser. Allerdings verliert eine Zeitung ihre Unabhängigkeit nicht, nur weil sie einen neuen Verleger hat.

Wird das also eine dauerhafte Liaison?

Ich kenne die Pläne nicht. Ich weiß nur, dass die DDVG nicht für Spekulationen bekannt ist. Und die „FR“ ist kein geeignetes Spekulationsobjekt. Es macht ja auch keinen Sinn, so einen Wirbel um eine Beteiligung an einer Zeitung zu veranstalten, die man kurz danach wieder abstoßen möchte. Ich gehe also davon aus, dass das eine langfristige Verbindung wird.

Welche Erwartungen stellt die DDVG an die „Frankfurter Rundschau“?

Sicherlich, dass auf kurz oder lang wieder schwarze Zahlen geschrieben werden. Und genau das kann nur erreicht werden, wenn die redaktionelle Unabhängigkeit der Zeitung gewahrt bleibt.

In Sachen Personalpolitik wird die DDVG doch schon ein Wörtchen mitzureden haben, oder?

Natürlich. Die DDVG wird darauf achten, dass bei der „FR“ ein guter Chefredakteur sitzt, wie es zurzeit der Fall ist. Und genauso, wie ein Springer-Chefredakteur nicht von der PDS kommen wird, wird er bei der „FR“ wohl kein CDU-Mitglied sein. Aber das war ja auch schon vor dem DDVG-Einstieg nicht anders.

Glauben Sie, dass einige der bekannt kritischen Leser der „FR“ den Rücken kehren, selbst wenn es keinen ersichtlichen Einfluss gibt?

Nein. Es gibt zwei Typen von „FR“-Lesern: Der eine liest sie wegen ihrer politischen Ausrichtung, der andere wegen der guten Lokalberichterstattung. Wer sie wegen der Lokalberichterstattung liest, hat keinen Grund, daran etwas zu ändern. Und wer die „FR“ wegen der politischen Ausrichtung kauft, schon gar nicht. Letzten Endes ist das doch eine Insiderdebatte. Ein paar Leute in den Parteien und ein paar Medienmenschen unterhalten sich darüber, aber der normale Leser auf der Straße interessiert sich nicht für irgendwelche Holdings. Den interessiert nur, ob die Zeitung gut ist oder nicht.

Das Gespräch führte Christian Hönicke.

0 Kommentare

Neuester Kommentar