Medien : „Das wird von Eltern oft missverstanden“

Medienexperte Thomas Feibel über den richtigen Umgang mit Kindersoftware und Computerspielen

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Herr Feibel, mit fünf Jahren entdecken Kinder meist den Spaß an Computersoftware. Worauf sollten Eltern zu diesem Zeitpunkt achten?

Kinder in dem Alter sollten nur dann an den Computer, wenn sie in ihrer Entwicklung so weit sind. Wenn sie Gelegenheit haben, sich selbst zu erfahren, mit Freunden oder beim Klettern. Der Computer darf nur eine Freizeitmöglichkeit von vielen sein. Wichtig ist, dass Kinder mit Software spielen, die für ihr Alter geeignet ist und sie nicht überfordert. Nicht alles muss gekauft werden. In Zweigstellen der Stadtbibliotheken lässt sich vieles ausleihen. Gefällt es mir, gefällt es dem Kind, hat das Produkt einen Wiederspielwert, ist es nach 20 Minuten erledigt?

Was tun, wenn die Kinder mit sechs, sieben Jahren schon Computerspiele wollen?

Es gibt Autorennen oder Geschicklichkeitsspiele, die von jüngeren Kindern bewältigt werden können. Eltern sollten auf der Website feibel.de nachsehen. Computerspiele sind in der Regel nicht für Kinder gemacht, Kindersoftware schon. Die USK, die „Unterhaltungssoftware SelbstKontrolle“, eine Agentur zur Alterseinstufung für Computerspiele, leistet wichtige Arbeit zum Thema Jugendschutz. Allerdings werden die Angaben der USK von Eltern oft missverstanden. Sie sind keine Altersangaben, sondern im Sinne des Jugendschutzes Unbedenklichkeitserklärungen, etwa zum Thema Gewalt.

Was heißt das?

Die USK 6 bedeutet, dass ein Kind mit sechs Jahren keinen Schaden nimmt. Das heißt aber noch lange nicht, dass dieses Spiel für Sechsjährige geeignet ist.

Ein rechtzeitiger und behutsamer Umgang mit Computersoftware könnte Kinder dazu führen, später sorgfältiger mit Computerspielen umzugehen.

Das ist die Frage überhaupt. Solange die Kinder klein sind, kümmern sich die Eltern um die Auswahl der Software. Nun hört das Angebot mit etwa zehn Jahren auf, die Verlage bedienen diese Klientel nicht mehr. Kein Wunder, dass Kinder, die computeraffin aufgewachsen sind, weiter an der Welt teilhaben wollen. Sie leihen sich von Freunden Spiele aus.

Ohne Mithilfe der Eltern?

Gerade in der Zeit des Übergangs von Kindersoftware zu Computerspielen steigen die meisten Eltern aus. Hier gilt es, Fahne zu zeigen, gute Spiele zu finden, bei Kinder das Bewusstsein für Qualität zu schärfen, wie es bei Kindersoftware oder bei Büchern vorhanden ist. Wenn Eltern diesen Übergang den Kinder alleine überlassen, spielen Kinder oft, was sie wollen und solange sie wollen. Darüber hinaus macht sich eine Sprachlosigkeit breit. Kinder würden gerne über ihre Erlebnisse am Computer berichten, wenn wir sie nur fragen würden.

Viele reden jetzt von guten und schlechten Computerspielen.

Wer entscheidet, was gut oder schlecht ist? Wie kann ich ein gutes Buch von einem schlechten unterscheiden? Gerade zum Thema Gewalt würde ich zwischen konstruktiven und destruktiven Spielen unterscheiden. Bei konstruktiven Spielen baue ich etwas auf, bei destruktiven Spielen wie „Ego-Shooter“ geht es ums Gegenteil. Es gibt keinen Grund, warum wir Eltern destruktive Spiele im Kinderzimmer dulden sollten. Verbieten alleine reicht nicht, wir müssen gute Spielalternativen anbieten. Davon gibt es genug.

Können sich Eltern auf den Jugendschutz in Deutschland verlassen?

Mit populistischen „Killerspiele verbieten“-Rufen ist keinem geholfen. Es gibt weltweit keinen strengeren Jugendschutz bei Computerspielen. Der beste Jugendschutz nützt nichts, wenn sich Vertriebswege ändern. Klar müssen Schüler im Kaufhaus jetzt einen Ausweis vorlegen, wenn sie bestimmte Spiele wollen. Aber wer kauft in dem Alter Spiele? Sie lassen sich besser mit Freunden als gebrannte CD-R tauschen oder aus dem Netz herunterladen. Auf den Kopien steht der Name des Spiels und der CD-Key, bestimmt nicht die USK-Angabe. Raubkopien umgehen den Jugendschutz. Hier sind Eltern gefragt.

Das Interview führte

Markus Ehrenberg

Thomas Feibel , 44, Medienexperte, leitet das „Büro für Kindermedien – Berlin“, ist Autor des „Kinder-Software-Ratgebers“. Seit 2002 verleiht er den deutschen Kindersoftwarepreis „Tommi“.

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