Medien : Das Wunder im Bild

Kurt Sagatz

Als Apple-Chef Steve Jobs vor rund zwei Jahren das Wunderbetriebssystem MacOS X vorstellte, wählte er zur Leistungsdemonstration das Medium Film. 50 der kugelig-bunten iMac-Computer wurden mit einem Server verbunden und erhielten von dort die Videodaten. Unter dem riesigen Beifall der Mac-Fans trat Jobs den Beweis an, dass ruckelfreie Bewegbilddarstellung bei Apple kein Thema ist - zumindest nicht zwischen zwei Computern. Wenn allerdings Computer-Videos auf Fernsehern angeschaut werden, sprechen Fachleute von der Konversion der Medien. Und genau das Zusammenwachsen von Computern und Fernsehern gehört zu den Themen, die sowohl bei den Herstellern der so genannten braunen wie auch der grauen Ware mit Wohlgefallen diskutiert werden. Mit der anstehenden Digitalisierung des Fernsehers und dem boomenden DVD-Absatz wird das TV-Gerät dem Computer ohnehin immer ähnlicher. Die zusätzlichen Funktionen könnten sich zudem äußerst nützlich erweisen, um höhere Preise für die Fernseher durchzusetzen. Genau darum geht es auch im Lager der Computer-Hardwarehersteller. Dort sorgt man sich seit einiger Zeit darum, wie für immer schnellere Prozessoren und Zubehörkomponenten Kundenbedürfnisse geschaffen werden können. Büroarbeiten, Internet-Surfen und MP3-Songs sind keine Argumente für 2-Gigahertz-Prozessoren. Die werden heute nur noch für leistungshungrige Spiele benötigt - oder für die Nutzung des PCs für digitalen Videoschnitt sowie als Alternative zum alten Videorekorder oder dem TV-gebundenen DVD-Player.

Dem Anwender könnte das eigentlich nur recht sein, denn der starke Wettbewerb hat bislang dafür gesorgt, dass mehr Leistung nicht zwangsläufig höhere Preise bedeutet. Wenn er denn die versprochene Konversion der beiden Mediengattungen tatsächlich bekommen würde. Doch statt Plug and Play gilt auch hier: Ein Wirrwarr von Standards und Inkompatibiliäten verhindert noch immer, dass man auf der anderen Seite herausbekommt, was man auf der einen Seite hineingesteckt hat.

Ein Beispiel: Programme wie Power VCR nehmen für sich in Anspruch, aus dem Computer einen Videorekorder zu machen. Tatsächlich lässt sich das Programm so einstellen, dass es zu vorher festgelegten Zeiten Fernseh-Sendungen aufzeichnet, vorausgesetzt, im PC befindet sich eine TV-Karte. Ist der Rechner schnell genug, wird das Video sogar in PAL-ähnlicher Auflösung aufgenommen.

Die Qualität der komprimierten Videos ist fast schon mit dem Original vergleichbar, leichte Schlirenbildung eingeschlossen. So weit, so gut, denn um zu diesem Ergebnis zu gelangen, wird schon eine gewisse Hartnäckigkeit im Erforschen der unterschiedlichen Einstellungsmöglichkeiten zwischen MPEG1, MPEG2, DV-PAL und diversen anderen Standards benötigt. Allerdings befindet sich der aufgezeichnete Film in diesem Stadium noch ausschließlich im Computer. Doch wer möchte schon "Dr. Schiwago" im Arbeitszimmer auf einem 15-Zoll-Monitor betrachten? Also wird eine Grafikkarte mit TV-Ausgang gekauft, sodann eine Kabelverbindung ins Wohnzimmer gelegt, die das Videosignal Richtung Fernseher verschickt. Erneut kommt dabei nur der Geduldige zum Ziel, denn wiederum sind mehrere Anläufe notwendig, um die richtigen Einstellungen der Grafikkarte nach der Methode "Try-and-Error" zu ermitteln. Dass dennoch ein Bild auf der TV-Mattscheibe erscheint, grenzt fast an ein kleines Wunder, schließlich ist man an dieser Stelle kurz davor, Hard- und Software umtauschen zu wollen.

Doch ebenso ärgerlich ist, dass nun rund um das mühsam in den Fernseher transportierte Video schwarze Trauerränder erscheinen, denn selbst bei bestem Willen unterscheiden sich die Auflösungen von Fernsehern und Computer-Bildschirmen deutlich. Nur die nächst bessere Grafikkarte mit TV-Ausgang für 300 Euro -was ziemlich genau dem doppelten Preis für diese wenigen Zentimeter schwarzen Raumes entspricht-kann die Differenz zwischen dem Computerbild und dem format-füllenden Fernseherlebnis wirklich ausgleichen, verspricht der Hersteller. Allein für diesen Mehrpreis lässt sich allerdings ein normaler Videorekorder finanzieren, einmal davon abgesehen, dass das Vertrauen in die Versprechen der Hardware-Hersteller inzwischen ziemlich angeknackst ist. Da kann die Konversion noch warten.

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